Zores um "Kruzitürk'n"-Wein

14. Mai 2006, 10:36
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Grüner Veltliner soll an die Einnahme von Zistersdorf durch die Kuruzzen erinnern. Grüne Gemeinderätin kritisiert Bennenung des Weins als "unsensibel"

Wien/Zistersdorf - Dass im Weinviertel ausgerechnet ein grüner Veltliner Zores macht, damit hat keiner gerechnet. Schon gar nicht der Bürgermeister von Zistersdorf, Wolfgang Peischl (VP). Hat er in seiner Stadt im östlichen Weinviertel doch das "Kuruzzenjahr" ausgerufen, das an die Einnahme von Zistersdorf durch die Kuruzzen am 17. Oktober 1706 erinnern soll.

Doch nicht der Jubiläumswein an sich stößt Grün-Gemeinderätin Beate Kainz sauer auf, sondern die Namensgebung: Auf "Kruzitürk'n" soll dieser am 3. März getauft werden. "Das ist gerade derzeit absolut unsensibel", sagt Kainz, die Peischl in einem Brief aufgefordert hat, "die Namensgebung für den ,Kuruzzenwein' noch einmal zu überdenken".

Als Kuruzzen ("Kreuzfahrer") bezeichneten sich ungarische Aufständische. Bei dem großen Aufstand gegen die Habsburger wurden unter Franz II. Rákóczi zwischen 1703 und 1709 immer wieder Teile von Niederösterreich, das Burgenland und die Oststeiermark überfallen. Aus dem Ruf "die Kuruzzen und Türken kommen" wurde schließlich "Kruzitürk'n".

Kein Kompliment

"Keine TürkIn würde eine Anrede mit diesem Wort als Kompliment auffassen und keine ÖsterreicherIn würde dieses Wort verwenden, um ein Kompliment zu machen", schreibt Kainz. "Abgesehen davon, ist es schon seltsam, von einem Pfarrer einen Fluch segnen zu lassen", meint Kainz im Gespräch mit dem STANDARD.

",Kruzitürk'n' is ein ganz normaler Mundartausdruck", wettert Wolfgang Peischl. Es sei weit hergeholt, wenn man dies als gegen die türkischen Bewohner gerichtet interpretiere. Peischl: "Wenn mir einmal ein ,Kruzifix' über die Lippen kommt, dann müssten sich ja auch alle Katholiken aufregen".

Das Programm für das Kuruzzenjahr sei an alle Haushalte verschickt worden, "von keinem unserer türkischen Einwohner gab es eine Beschwerde", sagt Peischl. Und außerdem: "In Poysdorf gibt es einen Wein, der ,Saurüssel' heißt, den müsste man dann wohl auch in ,Schweinenase' umbenennen." (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD - Printausgabe, 17. Februar 2006)

  • "Kuruzzische" Symbolik.
    bild: gemeinde zistersdorf

    "Kuruzzische" Symbolik.

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