Hunde, die nicht bellen

23. Februar 2006, 15:36
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Radfahren in Bangkok will gelernt sein. Eine Tour quer durch die Stadt der Engel von Profis für Anfänger. Ein Pedaltagebuch von Tanja Paar

"How, how" bellen die Hunde auf thailändisch, erklärt Tourguide Pauline. Bloß, sie bellen nicht. Nicht die großen, nicht die kleinen und auch nicht die ganz kleinen Streuner, die zu Dutzenden in den Straßen Bangkoks ihr Nickerchen halten. Was einen angesichts der nackten Waden, die die eigenen sind und hier gerade stramm in die Pedale treten, ganz schön unsicher machen kann.

Eben ist die kleine Gruppe aus einem nicht armen Viertel im Herzen der Stadt gestartet und nach einem Intermezzo auf der sechsspurigen Hauptstraße in die kaum armbreiten Gässchens eines Slums eingebogen. "Slum", betont Andre Breuer, der niederländische Gründer der "Recreational Bangkok Biking Ltd.", sei hier zu Lande aber weitaus weniger negativ besetzt als in Europa. Ganz unbesorgt könnten sich die Radler zwischen den grob gezimmerten Hütten und ihren Bewohnern bewegen.

Und wirklich, nicht nur die Kinder beäugen die schwitzenden und ob der ungewohnten Schwüle rotgesichtigen Besucher freundlich. Auch die Frauen in ihren improvisierten Geschäften und der Schneidermeister in seiner Werkstatt lächeln der Gruppe zu, belächeln sie vielleicht, aber wohlwollend, nachsichtig. Die zwei Gören auf ihren Dreiradlern scheinen außer den Europäern die einzigen Radfahrer in ganz Bangkok zu sein.

Nur vier Kilometer

Rund vier Kilometer Radwege hat die Zwölf-Millionen-Stadt zu bieten. "Vor dem Gesetz sind wir wie Fußgänger mit Rädern dran", sagt Breuer lachend. Trotzdem hat er im Mai 2004 seine Wahnsinnsidee umgesetzt, in diesem Moloch geführte Fahrradtouren anzubieten. Und das Geschäft läuft. 50 Fahrräder hat er im Stall bzw. in der Garage, sechs Guides zeigen in Zweierteams jeweils maximal acht Radlern den Weg. 60 Prozent der Gäste kommen - wie könnte es anders sein - aus den Niederlanden, 20 Prozent sind Schweizer, die anderen Wagemutigen kommen aus Skandinavien und Großbritannien, nur die wenigen Amerikaner setzen die Helme auf. Die Wege in dem Viertel sind so eng, dass man oft absteigen muss und schieben, das lässt Zeit zum Schauen - und zum Verschnaufen. Die erste Pause wird am Chao Phraya River gemacht, während die Fahrräder zum Übersetzen verladen werden. Auf der anderen Seite wartet in einer Flussschleife inmitten der Metropole beinahe unbebautes Gebiet, Kokosplantagen, einzelne Häuser und die obligaten Schreine. Auf teils aufgeständerten Betonplatten geht es durch das sumpfige Gebiet. Eine Tour, die ganz schön Konzentration erfordert, führt der schmale Pfad doch oft in uneinsichtigen 90-Grad-Kehren um die Ecke - und schnurrhaarscharf an den Mäulern der schlafenden Hunde vorbei.

Den 70-jährigen Pede, einen Gast aus den Niederlanden, hat so eine Kurve einmal die Perücke gekostet. Sie versank nach seinem Sturz im Morast, konnte aber von beherzten Dorfkindern retourniert werden. Dies sei, so Breuer, aber bisher der einzige Unfall auf der nicht ganz unsportlichen Tour geblieben. Nach einer Stärkung mit Nudeln und Shrimps geht es zurück auf die andere Seite des Flusses. Einem Stopp an einer Kickboxschule folgt die Fahrt durch die Tiefgarage eines Einkaufszentrums. Dann bestaunt die Gruppe auf dessen Parkplatz diejenigen Bewohner des Viertels, die sich auch sportlich betätigen: Hier wird nach dem Einkauf Aerobic gemacht, Musikbegleitung und Animation inklusive. Schon wird es dunkel und nach zwei, drei weiteren Schlenkern durch die öffentlichen Wohnzimmer des Quartiers, in denen die Familien vor den Haustüren zu Abend essen, sind die 27 Kilometer geschafft - und die Radler glücklich.(Der Standard/rondo/17/2/2006)

Veranstalter:

Bangkok per Bike ist Teil einer neuen Thailandreise der Marco Polo Produktlinie Young Line Travel, direkt unter Info@bangkok
biking.com
  • Mit dem Fahrrad durch Bangkok
    www.bangkokbiking.com

    Mit dem Fahrrad durch Bangkok

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