Gewerkschaftsbank startet Abverkauf

31. März 2006, 12:36
18 Postings

Die Elektrokette Cosmos ist als Erste dran, Stiefelkönig folgt auf den Fuß - Für den Privatsender ATV+ fahndet die Bank erst nach Interessenten

Wien - Ewald Nowotny, neuer Chef der Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K., nimmt seine Um-und Rückbaupläne nun ernsthaft in Angriff. Anfang dieser Woche hat der Vorstand eine neue Geschäftsordnung erarbeitet; Risikovorstand soll dem Vernehmen nach Vizechef Stefan Koren werden. Fürs zweite Halbjahr 2006 habe Nowotny eine Verkleinerung des Vorstands (derzeit acht Personen) ins Auge gefasst, heißt es.

Und während die US-Anwälte der durch den Refco-Blitzkredit von 425 Mio. Euro in Turbulenzen geratenen Bank (sie hat in den USA Klagen eingebracht) mithilfe der Innenrevision gerade alle Refco-Akten durchackern, sind die Beteiligungsmanager dabei, ihre Verkaufsliste abzuarbeiten. Nowonty will alle "nicht zum Kerngeschäft gehörenden" Beteiligungen abstoßen.

Bei Cosmos geht es um den Preis

Am weitesten fortgeschritten ist der Prozess bei Cosmos, der zweitgrößten österreichischen Elektrohandelskette (25 Filialen, Umsatz: 350 Mio. Euro). Die ersten Due Dilligences sind fertig, es geht nur noch um den Preis. "Verdient wird in der Branche zwar wenig, aber Cosmos verfügt über gute Standorte und hat mit seinem Marktanteil einen strategischen Wert", so ein Involvierter, der allerdings davon ausgeht, dass die Bawag aus dem Erlös "nicht reich" werde. Neben zwei internationalen Interessenten zeigen sich auch Josef Taus (Libro) und der Sanierer und Investor Erhard Grossnig kaufbereit, der Deal soll im Frühling über die Bühne sein.

Mehr Lack dürfte der Verkauf der Schuhhandelskette Stiefelkönig machen. Das Unternehmen hat den Turn-around geschafft, dürfte mit einem zarten Gewinn von vier Mio. Euro aus dem Vorjahr gegangen sein. Vor wenigen Jahren, als die Kette noch rote Zahlen schrieb, hatte Salamander 40 Mio. Euro für den Stiefelkönig auf den Tisch gelegt; die Deutschen scheiterten aber an ihrem Aufsichtsrat. Heute, einige Filialschließungen später, sollen Interessenten um die 30 Mio. Euro bieten. Appetit wird auch der deutschen Kette Deichmann nachgesagt: Die Eigentümer kennen das Unternehmen aus Zeiten, da sie im Stiefelkönig-Aufsichtsrat saßen; zudem wollen die Billigschuh-Händler ins höhere Segment expandieren.

Anteil an ATV+

Verabschieden wird sich die Bawag auch von ihren 40 Prozent am Privatsender ATV+, in den sie bisher, laut vorsichtigen Schätzungen, rund 45 Mio. Euro gesteckt hat. Käufer werden ob der bescheidenen Marktanteile und der Übermacht des ORF aber nur mühsam zu finden sein. Gesucht wird daher nach "strategischen" Interessenten, denen es nicht ums Geld geht, sondern die ihren Fuß ins Privatfernsehen bringen wollen. "Totgeschwiegen" wird laut einem Aufsichtsrat Bösendorfer, das "kulturelle Investment" der Bank. Die Klaviermacher verkaufen immer weniger und spielen nachhaltig Verluste ein. Ein Verkauf wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen - allein es fehlt der Investor. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2006)

Share if you care.