Schweben mit 500 Sachen

29. März 2006, 15:39
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Jahrelang haben sie getestet, jetzt trumpfen die Chinesen mit einer selbst entwickelten Magnetschwebebahn auf - "Keine Transrapid- Raubkopie", wird treuherzig beteuert

Das Transrapid-Konsortium der deutschen Konzerne ThyssenKrupp und Siemens in Schanghai erhält ernsthafte chinesische Konkurrenz. Schon im Juli will China seine eigene auf 500 km/h Tempo ausgelegte, noch schnellere Schwebebahn in Schanghai auf die Magnetschienen stellen. Es handle sich dabei "um eine eigene Entwicklung", erklärte Chefingenieur Zheng vom Hersteller Chengdu Flugzeuggruppe (Chengdu Aircraft Industry Cooperation, CAC) gegenüber dem STANDARD. "Wir haben keine deutschen Materialien oder Pläne verwendet und auch nichts vom Transrapid genommen."

Transrapid-Vertreter in Peking, die von der Nachricht am Sonntag überrascht wurden, wollten keinen Kommentar abgeben. In Berlin verwies Konzern-Sprecher Peter Wiegelmann darauf, dass die chinesische Entwicklung ein "Prototyp auf einer relativ kurzen Teststrecke von 1,5 Kilometern Länge" sei, der zunächst mit maximal 100 km/h erprobt werden wird. Sein Entwicklungsstand sei mit dem deutschen Transrapid "keineswegs vergleichbar".

Wogen gehen hoch

In Deutschland gehen die Wogen dennoch hoch. "Die Deutschen haben bei dem Projekt große Fehler gemacht. Blaupausen für den Fahrweg wurden den Chinesen zur Verfügung gestellt", kritisierte Jörg-Meinhard Rudolph, Ostasienexperte der Fachhochschule Ludwigshafen. Er gehe davon aus, dass Transrapid-Technik für eine Reihe von Entwicklungen, nicht nur für den jetzt angekündigten Test in Schanghai, kopiert wurden, berichtet Spiegel Online.

Transrapid-Sprecher Wiegelmann erklärte, es sei ihm nicht bekannt "inwieweit bei der chinesischen Entwicklung geschütztes deutsches Know-how zum Einsatz gekommen ist". Die bereits fertig gebaute 1,5 Kilometer lange Teststrecke in Schanghai soll aber mit ihrem Fahrweg und der Montagehalle der bestehenden 31,5 Kilometer langen Transrapidstrecke in Pudong in allen Einzelheiten gleichen.

Die in China immer wieder gestellte Frage nach dem Schutz geistigen Eigentums könnte damit ein brisantes Thema beim Antrittsbesuch des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier am 22. Februar werden. Die Chengdu CAC-Gruppe, seit 1958 eine der größten Werften für militärischen Flugzeugbau mit 15.000 Mitarbeitern, erklärte allerdings, dass sie im Besitz "eigenständiger und unabhängiger Eigentumsrechte" ist.

Jagt den Wind

Ingenieur Zheng bestätigte, dass die Magnetschwebebahn, chinesisch "Zhui Feng" (jagt den Wind) und englisch "CM1 Dolphin" genannt, wie der Transrapid mit Strom betrieben wird. Die Kontrolltechnik sei allerdings anders als die deutsche. China lasse den Dolphin seit 2003 in Chengdu bauen. Er sei ein Teil des chinesischen Hochtechnologieprogramms 863 und komme nun in Phase II. Magnettechnik und Komponenten seien von der Xinan-Verkehrsuniversität und der Universität für Verteidigungstechnik schon vor Jahren entwickelt worden. Die Zugsektion für bis zu 90 Passagiere würde 27 Meter lang und etwas über zwei Meter breit werden. Dank seiner aus der Flugzeugtechnik übernommenen anderen Aerodynamik soll Chinas Dolphin leiser als der deutsche Transrapid sein und über bessere Klimaanlagen verfügen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2006)

Johnny Erling aus Peking
  • Made in Germany: Transrapid in Schanghai - bald wird es chinesische Konkurrenz geben, "mit eigener Technologie".
    foto: epa

    Made in Germany: Transrapid in Schanghai - bald wird es chinesische Konkurrenz geben, "mit eigener Technologie".

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