Ministerium verteidigt die "Stallpflicht light"

17. Februar 2006, 13:16
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Meinung der Experten habe Ausschlag gegeben - Im Hintergrund dürfte aber auch Interesse der Freilandgeflügel-Halter stehen - mit Grafik

Die Meinung der Experten - und sonst nichts - habe den Ausschlag für die nur teilweise ausgerufene Stallpflicht gegeben, betont man im heimischen Gesundheitsministerium. Im Hintergrund dürfte aber auch das Interesse der heimischen Freilandgeflügel-Halter stehen.

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Wien/Bratislava/ Budapest/Bukarest - "Nein, derzeit stehen wir nicht unter Druck, die Geflügel-Stallpflicht flächendeckend auszuweiten", schildert Christoph Hörhan, Sprecher von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP). Auch am zweiten Tag nach Auffinden der toten steirischen Schwäne, die wahrscheinlich am gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 verendet sind, bleibt er dabei. Das Freilandverbot an Flüssen und Seen sei ausreichend.

"Die Alpen trennen Österreich in einen Ost- und einen Westteil. Die Hühner eines Vorarlberger Bergbauern kommen mit einem Schwan aus der Steiermark nie in Kontakt", erläutert Hörhan. Zwar werde man Vorstößen zu flächendeckender Stallpflicht in einzelnen Ländern, wie in Kärnten oder der Steiermark, "nichts in den Weg legen". Die Experten jedoch seien der Ansicht, dass man dem Federvieh des Ländle-Landwirts die Härten des 24-Stunden-Stallarrests ersparen könne.

Im Dezember 2005, gegen Ende der bundesweiten Stallpflicht während des Herbst-Vogelzugs, hatten diese Härten zu einem Bombardement des Ministerbüros mit Protest-E-Mails kleiner Hühnerhalter geführt. Natürlich - so Hörhan - versuche man auch jetzt, die Interessen der professionellen Geflügel-Freilandhalter im Auge zu behalten, von denen es in Österreich EU-weit am meisten gibt.

Zwölfwochen-Frist

Diese Züchter stehen vor dem Problem, dass ihre Freilandtiere und deren Eier nach zwölf Wochen ununterbrochener Stallpflicht nicht mehr unter dem Freiland-Prädikat vermarktet werden dürften. Sie würden mit Preisverlusten zu Produkten "aus Bodenhaltung" degradiert.

Zwölf Wochen Freilandverbot könnten schon zusammenkommen, wenn H5N1 länger grassiert. Doch, so versichert Hörhan: "Wenn die Seuchenlage es nötig macht, werden wir sofort die Stallpflicht auf das ganze Land auszuweiten." Eine Situation, die Mitte März eintreten könnte: Für den Frühjahrs-Vogelzug erwägen Rauch-Kallats Experten erneut die flächendeckende Geflügel-Einsperrung.

Unter den derzeit von H5N1-Fällen betroffenen EU-Staaten haben die meisten die allgemeine Stallpflicht anderen Maßnahmen vorgezogen (siehe Grafik). Weitere Verdachtsfälle bei Wildvögeln wurden am Donnerstag erstmals aus der Slowakei und Ungarn sowie aus Rumänen berichtet. Die EU-Kommission wollte noch Donnerstag beschließen, dass im Fall von Vogelgrippenausbrüchen in Geflügelbetrieben um die bereits vorgeschriebenen drei Kilometer breiten Schutzzonen und zehn Kilometer breiten Überwachungszonen zusätzlich auch noch "Pufferzonen" einzurichten sind. (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 17. Februar 2006)

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