Lopatka kündigt härtesten aller Wahlkämpfe an

17. Februar 2006, 12:07
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Der ÖVP-Generalsekretär ist im STANDARD- Interview für eine "kompakte, konzentrierte und kurze" Kampagne

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka versucht, die Vorteile von Schüssels bewährtem Team zu erklären: Sowohl Karl-Heinz Grasser als auch Elisabeth Gehrer sind unverzichtbar. Christl Stürmer hätte er gern, kriegt er aber nicht.

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Standard: Sie kamen als steirischer Wahlkampf-Wunderwuzzi nach Wien, inzwischen ist der Lack ab. Amtsmüde?

Lopatka: Ganz sicher nicht. Aber nicht jeder Tag ist Wahltag. Wahltage waren Höhepunkte, wenn ich an die letzte Nationalratswahl denke ...

Standard: ... aber die Testwahl für die nächste, die ORF-Publikumsratswahl, ging schief.

Lopatka: Wir haben das nie als Testwahl gesehen.

Standard: Erwin Pröll ortet aber Mobilisierungsprobleme.

Lopatka: Ich sehe darin eine Aufgabe. Wir werden alles unternehmen müssen, um wieder so zu mobilisieren wie 2002. Aber zuerst wird gearbeitet, im Herbst kommt dann - kompakt, konzentriert und kurz - der Wahlkampf.

Standard: Die politische Saison beginnt Anfang September, wie lang darf ein "kurzer" Wahlkampf maximal sein?

Lopatka: Sechs bis acht Wochen.

Standard: Sie schicken aber jetzt schon Briefe an Jungwähler und plakatieren den Kanzler - das ist kein Wahlkampf?

Lopatka:Es gab einen Brief an Jugendliche, es war nicht der erste und auch nicht der letzte. Das Plakat ist für unsere Schaukästen, das machen wir sechsmal pro Jahr. Das hat mit Wahlkampf nichts zu tun.

Standard: Auch nicht, dass Sie Popstar Christl Stürmer auf ÖVP-Jugendbroschüren drucken - ohne ihr Wissen?

Lopatka: Es stimmt, dass es ohne Zustimmung von Frau Stürmer verwendet wurde. Ich bin auch schon im Gespräch mit ihrem Manager, um das gütlich beizulegen.

Standard: Offenbar sucht die ÖVP nach Auffrischung. Ist Schüssels bewährtes Team in die Jahre gekommen?

Lopatka: Blicken Sie nur in unsere Regierungsreihen. Wir haben eine gute Mischung. Sepp Pröll, ein Karl-Heinz Grasser, Ursula Plassnik - aber auch glaubwürdige, starke Vertreter der Senioren wie Andreas Khol.

Standard: Im Zukunftsministerium sitzt eine unglaubwürdige, schwache Repräsentantin. Gehört Gehrer ausgetauscht?

Lopatka: Das gehört zum Ungerechtesten überhaupt, dass ihre Leistungen einfach beiseite geschoben werden. Der Kanzler hat klar gesagt: Beim bewährten Team denkt man nicht über Alternativen nach.

Standard: Also auch keine Quereinsteiger?

Lopatka: Wir haben noch jedes Mal welche präsentiert.

Standard: Wie sehr brauchen Sie Seitenblicke-Star Grasser?

Lopatka: Wir brauchen einen guten Finanzminister.

Standard: Wer ist der bessere Schüssel-Nachfolger: Josef Pröll, Wilhelm Molterer oder Christoph Leitl?

Lopatka: Sicherlich Wolfgang Schüssel.

Standard: Werden Sie mit Fairnessabkommen wahlkämpfen?

Lopatka: Was schriftlich festgehalten wird, ist das eine. Das andere ist die grundsätzliche Einstellung. Es wird sicherlich eine harte, und mit größter Anstrengung zu führende Auseinandersetzung.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2006)

Mit Reinhold Lopatka sprach Barbara Tóth.
  • Zur Person Reinhold Lopatka (46), seit 2003 im Amt, geriet zuletzt parteiintern unter Druck. Am Bild inspziert er die zukunft.at-Broschüre, in der Fotos von Christl Stürmer und Wolfgang Schüssel montiert wurden. "Das ist nicht von uns", meint er zuerst. Dann korrigiert er sich: "Das sind Jugendliche, die wir unterstützen."
    foto: standard/ regine hendrich

    Zur Person

    Reinhold Lopatka (46), seit 2003 im Amt, geriet zuletzt parteiintern unter Druck. Am Bild inspziert er die zukunft.at-Broschüre, in der Fotos von Christl Stürmer und Wolfgang Schüssel montiert wurden. "Das ist nicht von uns", meint er zuerst. Dann korrigiert er sich: "Das sind Jugendliche, die wir unterstützen."

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