Kritik an Liberalisierung des Schienenverkehrs

2. März 2006, 16:37
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Arbeiterkammer: Solange es beim Lkw-Verkehr keine Kostenwahrheit gibt, verliert die Schiene gegenüber der Straße

Wien - "Die EU-Ziele wurden klar verfehlt. Statt deutlich mehr Güter auf die Schiene zu bringen, hat der Lkw-Verkehr fast überall weiter zugelegt. Trotzdem will die EU jetzt auch den Bahn-Personenverkehr liberalisieren", so Arbeiterkammer-Verkehrsexpertin Sylvia Leodolter am Donnerstag bei einer Diskussionsveranstaltung in Wien.

GdE-Chef Wilhelm Haberzettl sieht ebenfalls die Ziele der Liberalisierung nicht erreicht. "Die erhoffte Erhöhung der Marktanteile, zufriedenere Kunden, sichere Arbeitsplätze und eine hohe Versorgungsdichte sind nicht erreicht worden", betonte er.

Folgen für Arbeitsmarkt

Auf mögliche Folgen für die Arbeitsplätze bei den Staatsbahnen wies die deutsche Verkehrsgewerkschaft Transnet hin: "Fakt ist, dass etwa in Deutschland 50 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse im schienengebundenen Güterverkehr seit der Liberalisierung weggebrochen sind. Dieser Trend ist auf alle betroffenen Länder umzulegen. Neu entstandene Arbeitsplätze bei den neuen Marktteilnehmern haben den Arbeitsplatzabbau nur in sehr bescheidenem Umfang abgeschwächt."

Die Arbeiterkammer kritisierte, dass es weiterhin keine Kostenwahrheit im Verkehr gibt. "Liberalisierung ist im Bahnbereich einfach der falsche Weg, weil der Markt nur funktionieren kann, wenn auch der Hauptkonkurrent Straßenverkehr seine vollen sozialen und ökologischen Kosten trägt. Seit der Marktöffnung hat die Bahn verloren, der Lkw-Verkehr gewonnen", so Leodolter. (APA)

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    AK: "Liberalisierung ist im Bahnbereich einfach der falsche Weg."

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