Hoher Nachrüst-Bedarf bei Aufzügen

9. August 2006, 11:21
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Aufzugunfälle stiegen im Vorjahr um 50 Prozent - Von 70.000 Aufzügen und Rolltreppen entsprechen nur 12.500 den aktuellen Standards

Wien - Die Zahl der Aufzugunfälle in Österreich ist im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Insgesamt sind bundesweit rund 70.000 Aufzüge - davon 1.500 Rolltreppen - in Betrieb und werden jährlich von 6,5 Milliarden Menschen benützt. 12.500 Anlagen entsprechen den aktuellen Sicherheitsstandards, berichtete Anton Marschall, Leiter der Aufzugstechnik beim TÜV-Österreich, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien.

Häufigere Schadenersatz-Forderungen

Laut Marschall sind aber vor allem die neuen Modelle "schuld" am Anstieg der Vorfälle mit Verletzungsfolge. Und zwar nicht deshalb, weil die modernen Aufzüge so unsicher seien, sondern weil sich die Leute an die hohen Standards gewöhnt hätten. Ist dann doch irgendwo ein Zwischenraum, ist die Gefahr zu stolpern größer als früher. Es würden auch mehr Unfälle bekannt, weil die Opfer mittlerweile häufiger Schadenersatz fordern. Marschall: "Früher haben sich die meisten gedacht: Na, hätte ich halt besser aufgepasst."

Auffallend ist auch, dass 68.500 Aufzüge 43 Prozent aller Unfälle ausmachen, jedoch 1.500 Rolltreppen 57 Prozent. Um diesem allgemein negativen Trend entgegenzuwirken, gilt seit 1. Jänner 2006 die "Verordnung für die sicherheitstechnische Prüfung und allfällige Nachrüstung von Aufzügen" (STPAV). Durch diese Bestimmung erwartet sich der TÜV eine Erhöhung der Sicherheitsstandards in gewerblichen Betriebsanlagen. Ähnliche Regelungen für Aufzüge in Wohnhäusern befinden sich derzeit in Ausarbeitung. Ein Entwurf für ein neues Wiener Aufzugsgesetz wurde bereits veröffentlicht (siehe Linktipps).

Nachrüstung kostet im Durchschnitt 30.000 Euro

Durch die STPAV sollen bis zum Jahr 2012 sämtliche Aufzüge in Österreich kontrolliert, überprüft und gegebenenfalls nachgerüstet werden. Für einen durchschnittlichen, 30-jährigen Aufzug würde eine sicherheitstechnische Nachrüstung etwa 30.000 Euro kosten, schätzte Marschall. Die meisten Unfälle passieren laut TÜV-Sicherheitsbericht beim Schließen der Aufzugstür, gefolgt von Abstellungenauigkeiten und technischen Gebrechen.

Bei 6,5 Milliarden Aufzugsbenützern pro Jahr erscheinen insgesamt 90 gemeldete Unfälle im Jahr 2005 alles in allem doch relativ wenig. Dennoch appellierte Marschall an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen: Weder Aufzüge noch Rolltreppen seien Einrichtungen, "die man gedankenlos benützen sollte".

Im Wiener Landesgesetzes-Entwurf sind als häufigste Gefahrenquellen genannt:

  • Antriebssystem mit schlechter Anhalte-/Nachregulierungsgenauigkeit

  • Fehlende oder unzulängliche Schutzeinrichtung an kraftbetätigten Türen

  • Unsichere Verriegelungseinrichtung der Schachttüren

  • Fahrkorb ohne Türen

  • Zu großer Abstand zwischen Fahrkorb- und Schachttür

  • Fehlende oder unzulängliche Notrufeinrichtung

    (APA/red)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Bild: Gesperrter Aufzug nach einem tödlichen Unfall in Wien 2004.

    • TÜV-Experte Anton Marschall
      foto: tüv

      TÜV-Experte Anton Marschall

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