Mindestens 21 Tote bei Gewaltwelle

3. März 2006, 10:02
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FARC will Beweise für Betancourts Überleben vorlegen

Bogota - Bei einer neuen Welle der Gewalt in Kolumbien sind mindestens 15 Soldaten und Polizisten sowie 5 linke Rebellen getötet worden. Zudem wurde der Tod eines vor sieben Jahren von FARC-Rebellen entführten Polizisten bekannt. Weitere 36 Soldaten seien bei den Gefechten in verschiedenen Landesteilen verletzt worden, teilte das Militär am Mittwoch mit.

Politische Beobachter in der Hauptstadt Bogota gingen davon aus, dass die Rebellen ihre Angriffe gegen die Sicherheitskräfte vor der Parlamentswahl im März und der Präsidentenwahl im Mai weiter verstärken werden, um die Sicherheitspolitik von Präsident Alvaro Uribe zu diskreditieren. Außerdem versuchten sie, die von den rechten Paramilitärs aufgegebenen Gebiete zu besetzen. Die Entwaffnung der Paramilitärs soll nach einer Friedensvereinbarung mit der Regierung in Kürze abgeschlossen sein.

ELN-Angriff

Besonders beunruhigend sei der Angriff von Mitgliedern der Rebellengruppe "Nationales Befreiungsheer" (ELN) im Zentrum der Provinzhauptstadt Pasto im Südwesten des Landes. Dabei seien in einer Kaserne ein Soldat getötet und drei weitere verletzt worden. Pasto ist die Hauptstadt der Provinz Narino an der Grenze zu Ecuador, in der es große Drogenanbaugebiete gibt. Die größeren Städte waren in dem seit mehr als 40 Jahren andauernden bürgerkriegsähnlichen Konflikt bisher weitgehend verschont geblieben.

Am Vortag seien zwei Soldaten getötet und fünf verletzt worden, als sie im Zentrum des Landes in ein Minenfeld gerieten. Aus dem Nordwesten des Landes wurden fünf getötete Mitglieder der Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) gemeldet. Am Dienstag hatte das Militär hier von sechs getöteten Soldaten gesprochen.

Weitere sechs Polizisten seien in dem Naturschutzgebiet La Macarena im Süden des Landes von FARC-Rebellen getötet worden. Die Polizisten sollten Landarbeiter schützen, die dort zur Rodung illegaler Drogenplantagen eingesetzt werden. Von zunächst fast 1000 Arbeitern sei inzwischen ein Drittel wegen der ständigen Rebellenangriffe geflohen. Die Rebellen finanzieren sich zu einem erheblichen Teil aus dem Drogenschmuggel.

Die FARC will Beweise dafür vorlegen, dass die vor fast vier Jahren entführten Politikerin Ingrid Betancourt am Leben ist. Das teilte der Chefredakteur der kommunistischen Wochenzeitung "VOZ", Carlos Lozano, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP mit unter Berufung auf einen Informanten.

Das zeige, dass die Geiseln "wohlauf" seien, fügte Lozano hinzu. Die Beweise seien von Unterhändlern der französischen Regierung bei einem Treffen mit FARC-Vertertern Ende vergangenen Jahres gefordert worden. Die Rebellen verlangen die Freilassung von rund 500 inhaftierten FARC-Mitgliedern im Austausch gegen die von ihnen festgehaltenen insgesamt 58 Geiseln.

Ingrid Betancourt, die die französische und kolumbianische Staatsbürgerschaft hat, war am 23. Februar 2002 in Kolumbien entführt worden, als sie im Wahlkampf unterwegs war. Die heute 44-Jährige wurde von den FARC verschleppt, der größten Rebellengruppe des lateinamerikanischen Landes. (APA/dpa)

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