Einkaufen im Luxusexil

21. Februar 2006, 13:07
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Bescheidenes Niveau bei der 51. Messe der belgischen Antiquitätenhändler in Brüssel

Brüssel ist das neue Elysium der Franzosen, die in ihrer kartesianischen Heimat Vermögenssteuer bezahlen müssten und die man neuerdings ironisch "OFS" ("ohne finanziellen Schwierigkeiten") nennt. Wobei die gleiche Abkürzung üblicherweise für Leute "ohne fixen Wohnsitz" gebräuchlich ist.

Diese im Luxusexil lebenden Franzosen, plus die gediegenen Reichen des belgischen Königtums, trafen sich Ende Jänner zur 51. Messe der belgischen Antiquitätenhändler im renovierten Industriegebäude Thurn & Taxis. Da, wo früher die Post sortiert wurde, boten 120 belgische und ausländische Antiquitätenhändler ihre gut sortierte Ware an.

Die Spitzenobjekte hält man jedoch für die Maastrichter TEFAF Messe zurück, wie sich - entgegen telefonischer Ankündigungen um die Weihnachtszeit - vor Ort herausstellte, wo mehrere Trumpfobjekte letztendlich fehlten. Die guten ins TEFAF-Töpfchen, die schlechten in Thurn & Taxis Kröpfchen . . .

Vierzig Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland, wobei Frankreich mit 37 Galeristen nach Belgien (66) das größte Kontingent stellt, denn die Händler folgen im Tross ihren OFS-Kunden in die ziemlich fade belgische Hauptstadt.

Der Nullgeschmack

Die Geschäfte liefen zufrieden stellend, aber alles andere als Euphorie-verdächtig. Nur die belgischen Gemäldehändler, zahlreich und auf quasi Nullgeschmack abzielend, machten echt gute Geschäfte. Was keine Empfehlung für die französisch- und flämischsprachigen Spitzenvermögen ist. Da die Aussteller der Brüsseler Messe - im Gegensatz zur Maastrichter, die einen präferenziellen Steuersatz ausgehandelt haben, was international wenig bekannt ist - Importsteuer verrechnen müssen, sind sie insgesamt eher ausweichend, was ihre Messeabschlüsse betrifft. "Viele Objekte sind noch in Verhandlungen", lautet die wiederholte Antwort auf die journalistische Nachfrage. Im Klartext heißt das, dass nach Möglichkeit von der Galerie aus fakturiert wird und dass sich die Verhandlungen bei großen Objekten oft monatelang hinziehen.

Auffallend war in diesem Jahr das Angebot an antiken chinesischen Objekten, insbesondere wunderbaren Statuen aus Nordost-China des 6. Jahrhunderts n. Chr., z. B. bei Barrère und Oriental Bronzes (Christian Deydier) - beide Paris. Die belgische Ming-K'I Gallery bot einen 127 x 190 cm großen Pferdewagen der Han Dynastie für circa 200.000 Euro an, inklusive Zertifikat der Analyse TL.

Made in Hongkong

Wobei kürzlich anlässlich eines Kolloquiums in Paris ein China-Experte darauf aufmerksam machte, dass selbst wenn die Analyse der Teilchen effektiv authentisch ausfällt, viele Objekte jedoch heutzutage in Hongkong hergestellt werden und man dementsprechend beim Kauf sehr vorsichtig sein müsse.

Auf dem Sektor der Stammeskunst bot Flak, Paris, eine rare Eskimo-Maske des Stammes Yupik aus dem Ende des 19. Jahrhunderts für 80.000 bis 100.000 Euro an. Wie viele andere Händler berichtet Flak, in diesem Jahr weniger verkauft zu haben als im Vorjahr.

Der Silberhändler Bernard de Leye, Brüssel, kann immer noch seine in 22 Karat Gold hergestellte Gestalt der Katharina der Großen, 1780 in Sankt Petersburg geschmiedet, zu einem Top-Secret-Preis anbieten. Grete Zeberg, Antwerpen, die neue Präsidentin der Messe, zeigte durchaus erschwingliche (d.h. Lappalien für unsere OFS) Objekte und Möbel der Haute Epoque, der Spezialität ihres Hauses.

Im Jahre 2007 sollte die Messe wohl eine rigorosere Auswahl der Aussteller treffen, um das Gesamtbild und das Durchschnittsniveau anzuheben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2006)

Olga Grimm-Weissert aus Brüssel

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  • Galerie Oriental Bronzes, Paris: Bodhisattva-Torso, ausgeführt im China der Tang-Dynastie (8.-9. Jh.).
    foto: h. dubois

    Galerie Oriental Bronzes, Paris: Bodhisattva-Torso, ausgeführt im China der Tang-Dynastie (8.-9. Jh.).

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