Auch wenig Mut macht sich bezahlt

15. Februar 2006, 19:38
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Die 25. Madrider Kunstmesse Arco war durchwegs erfolgreich. Spannend war sie nicht. Trends werden anderswo ausgerufen

Bei 200.000 Besucher fallen 30 Euro Eintritt schon ins Gewicht...


Madrid - 25 Jahre ist die Arco, die internationale Kunstmesse von Madrid nun geworden, und dementsprechend überfrachtet war auch der Terminplaner für die sozialen Ereignisse im offiziellen Rahmen. Und dabei geht es doch auch vorrangig darum, die Agende für die inoffiziellen Termine so zu legen, dass es sich nach der Gesichtswäsche bei Preisverleihungen und Bürgermeisterdinners auch noch mit dem einen oder anderen Händler intim und also einträglich zu Abend essen lässt, bevor im spanischen Nachtleben der obligatorische Discobesuch zum frühmorgendlichen Abschluss die Sammler-und Galeristenbindungen noch vertiefen helfen kann. Immerhin boten 278 Galerien aus 33 Ländern ihren gemischten Warensatz feil, und da heißt es schon gut vorbereitet zu sein, um in den wenigen Tagen nicht Zeit im falschen Netzwerk zu verlieren.

Aus dem internationalen Handel hob sich die Galerie de France mit Julio González, rebecca Horn, Robert Wilson und Michelangelo Pistoletto ebenso von der Masse ab wie Susana Kulli mit John Armleder, Adrian Schiess, Thomas Hirschhorn und Lous de Cordier. Bemerkenswert auch der Stand von Georg Kargl, Wien) mit einer perfekt inszenierten Mischung aus Clegg & Guttmann, Marc Dion, und Markus Schinwald.

Karsten Greve (Schweiz) bot wie immer nachgerade klassisches Material von Lucio Fontana, John Chamberlain und Cy Twombly. Und natürlich hatte er darüber hinaus auch neues Material der großen alten Dame, Louise Bourgeois, im Gebäck, und Jean Dubuffet und Jannis Kounellis und Piero Manzoni ...

Der Berliner Thomas Schulte, dieses Jahr zum zweiten Mal an der Arco präsent präsentierte Jacco Oliver Fusionsversuche aus Malerei und bewegten Bildern, neben Skulpturen von Jessica Stockholder, Julio Rondo, Juan Uslé und Alfredo Jaar. Der Düsseldorfer Veteran Hans Mayer (er öffnete seine Galerie 1965) setzte einen Schwerpunkt mit den Fotografen Jürgen Klauke und Bill Beckley. Daneben in seinem Hochpreisprogramm: Robert Longo, Victor Mira, Markus Oehlen, Ferrán Garcia Sevilla und Tom Wesselmann.

Ursula Krinzinger kam ebenso mit einem gemischten Programm auf höchstem Niveau: Paralell zur einzelausstellung von Erwin Wurm in der Sala de Exposiciones del Canal de Isabel II, hatte sie Fotoarbeiten und Skulpturen ihres Stammkünstler mit in Madrid, sowie - neben anderen - Arbeiten von Eva Schlegel. Zu Einzelpräsentationen ließ sich kaum ein Händler hinreißen: Zwei Ausnahmen kamen erfreulicherweise aus Österreich: Hubert Winter reservierte seinen Stand für eine retrospektive Präsentation von Birgit Jürgenssen. Rosemarie Schwarzwälder wagte gleich zwei Projektstände: Einen bespielte Isa Melsheimer, den zweiten eine verwegene Kombination aus Überlegungen zur Malerei von Herbert Brandl und Adrian Schiess.

Ähnlichen Mut nicht aufzubringen sollte aber m kommerziellen Erfolg er Masse der Teilnehmer nichts ändern:durchwegs zufrieden lächelnde Gesichter, und die übliche Diskretion bei Auskünften nach Sammlern und tatsächlich bezahlten Preisen. Und: mit knapp 200.000 Besuchern Publikumsrekord! (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2006)

Von
Markus Mittringer
  • Einen Solostand widmete Nächst St. Stephan der jungen Künstlerin Isa Melsheimer.
    foto: nächst st. stephan

    Einen Solostand widmete Nächst St. Stephan der jungen Künstlerin Isa Melsheimer.

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