Turkmenen läuten neue Runde im Gasstreit ein

3. März 2006, 19:11
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Zentralasiatisches Gas soll teurer werden – Ukraine will dubioses Konsortium mit Raiffeisen-Beteiligung ausschalten

Der Gasfriede zwischen Russland und der Ukraine ist brüchig: Kiew überlegt, auf die Dienste des dubiosen Transportkonsortiums RosUkrEnergo (RUE) zu verzichten.

Es war Turkmenistans Diktator Saparmurat Nijasov, der mit seiner jüngsten Ankündigung, sein Gas ab Herbst nicht mehr für 65 Dollar pro 1000 m³ sondern für 100 Dollar zu verkaufen, die nach dem Gasstreit Anfang des Jahres erzielten Vereinbarungen zwischen Kiew und Moskau erschütterte. Demnach bezieht die Ukraine derzeit Gas um 95 Dollar. Dies funktioniert aber nur dank billigem zentralasiatischen Gas, denn das aus Russland in die Ukraine importierten und zum Weiterverkauf nach Europa bestimmte Gas kostet 230 Dollar.

Nijasovs Ankündigung würde nicht nur den Gaspreis für die Ukraine auf 130 Dollar hochtreiben, sie stellt auch die RUE vor Probleme. Das in der Schweiz registrierte Transportkonsortium, an der von der Raiffeisen Invest AG (RIAG) vertretene anonyme Personen und die russische Gasprombank jeweils 50 Prozent halten, hatte in einem undurchsichtigen Deal den gesamten Gastransport zugesprochen bekommen. Außerdem bekam die RUE über ein‑ Jointventure Zutritt zum Gasverkauf an ukrainische Endverbraucher. Wenn Nijasov seine Drohung wahr macht, steht die Wirtschaftlichkeit ihrer Dienste in Frage.

Verzicht auf Zwischenhändler

Zwar hat die RUE schon bei Vertragsabschluss eine Revision des Gaspreises nicht ausgeschlossen. Nun aber hat der ukrainische Premier Juri Jechanurov Russland vorgeschlagen, auf den Zwischenhändler überhaupt zu verzichten: Es sei sinnvoller, wenn Ukraines staatliche Gasgesellschaft Naftogas und die Gasprom den Gashandel direkt abwickeln. Das halten Experten schon lange für vernünftiger, da nicht verständlich sei, warum Gasprom dieses Geschäft mit – zumindest der Öffentlichkeit – unbekannten Nutznießern teilt. Andererseits soll laut Gasprom ursprünglich gerade die ukrainische Seite auf den Diensten der RUE bestanden haben.

Jechanurovs Vorschlag kommt wohlgemerkt wenige Tage, nachdem Russlands Präsident Vladimir Putin vor Journalisten in Spanien der Ukraine den schwarzen Peter bezüglich der Undurchsichtigkeit der RUE zugeschoben hat: Er wisse auch nicht, wer die Nutznießer der von der RIAG formal gehaltenen 50 Prozent an der RUE sind; man müsse die Ukrainer fragen, meinte Putin. Die ukrainische Seite wies ähnliche Vermutungen schon früher zurück und behauptet, die Hintermänner seien Russen.(Eduard Steiner, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2006)

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