Gehrers Vorzeigeprojekt nun auch namenlos: Nach Protesten der Nachfahren wird es doch nicht Wittgenstein-Institut heißen
Wien – Wolfgang Schüssels
Lieblingsname für die Elite-
Uni überlebte nicht einmal
eine Woche: Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat nach
Informationen des
Standard
die Notbremse gezogen und
beschlossen, ihr Prestigeprojekt in Gugging doch nicht
"Wittgenstein Institute of
Technology" zu taufen, wie
bereits in einem Gesetzesentwurf festgeschrieben war.
Der öffentliche Protest war
wohl zu groß: Bereits am Montag hatten sich Nachfahren
Ludwig Wittgensteins zu Wort
gemeldet, die die "kalte Namensenteignung" ihres berühmten Vorfahren beklagten.
Weder habe man sie kontaktiert noch wolle man den Namen für ein parteipolitisches
Projekt hergeben.
Das Ministerium beteuerte
zwar stets, dass die Namensfindung noch im Gang sei, in
dem Gesetzesentwurf, der
dem Standard vorliegt, war
aber bereits ganz selbstverständlich vom "Wittgenstein
Institute of Technology" samt
Kürzel "WIT" die Rede – offenbar in kühner Anlehnung an
das berühmte "Massachusetts
Institute of Technology", weltweit als "MIT" bekannt.
Nun will man im Ministerium eine Kommission einrichten, die sich auf die Suche
nach einem neuen Namenspatron für das immer stärker
kritisierte Elite-Projekt macht.
Diesmal soll "bei der Auswahl
des Namens den Wissenschaftern und Wissenschafterinnen
in keiner Weise vorgegriffen
werden", hieß am Mittwoch
etwas kleinlaut aus Gehrers
Ministerium. Auch die korrekte Ortsangabe "Gugging" wird
vermieden. Im offiziellen Ministeriums-Sprech ist jetzt
vom "Exzellenzinstitut in
Klosterneuburg" die Rede.
Für die beteiligten Experten
war der Philosoph Ludwig
Wittgenstein von vornherein
nicht der Patrons-Favorit gewesen. Sie hatten eher für einen Ahnherren aus den Naturwissenschaften plädiert, der
die inhaltliche Ausrichtung
der Elite-Uni besser repräsentiert. Vorgeschlagen wurden
etwa der Chemiker und Nobelpreisträger Max Ferdinand Perutz, der Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger
oder Ludwig Boltzmann,
ebenfalls Physiker. Letzterer
"gehört" allerdings schon der
Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, einst das – nach parteipolitischer Logik – rote Vorzeige-Institut, mittlerweile fest in
schwarzer Hand.
Im Internet hätte das "WIT"
ohnehin keinen Platz gefunden: Die logischen Domains
wie "wit.at", "wit.com" oder
"wit.org" sind alle vergeben. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2006)
Von Michael Völker und Barbara Tóth