"Mehr verkauft, weniger im Ladl"

27. März 2006, 15:33
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Die Preise im Einzel­handel haben sich stabil gehalten. Der Schuh­handel steht gut da, dem Elektrohandel funken Preispiraten hinein

Wien - "Im vorsichtigen Steigflug" befinde sich der heimische Einzelhandel derzeit, konstatierte Erich Lemler, zuständiger Obmann in der Wirtschaftskammer Österreich. 2005 war das erste Jahr seit dem Jahrtausendwechsel, in dem der Handel auch real zulegen konnte - sprich, wenn man die Brancheninflation berücksichtigt. Laut KMU Forschung Austria betrug der Zuwachs nominell 0,8 Prozent, real 0,1 Prozent, woraus sich eine relevante Preissteigerung von 0,7 Prozent ergibt - "der Handel erwies sich wieder einmal als preisstabile Branche", so KMU-Forscher Peter Voithofer.

Auch für 2006 könne man "von verbesserter Umsatzentwicklung ausgehen", hieß es am Mittwoch bei der Präsentation der Zahlen. Lemler hofft, das Ergebnis des zweiten Halbjahres 2005 (real plus 0,4 Prozent) heuer übertreffen zu können.

Schuhe strahlen

Bei der Betrachtung der Branchen zeigt sich ein differenziertes Bild: Gewinner war im Vorjahr eindeutig der Schuhhandel, gefolgt von Schmuck- und Uhrenhandel, den Einrichtungshäusern sowie dem Sportartikelhandel. Die Schuhgeschäfte hatten nominell gesehen um 5,7 Prozent mehr in den Kassen. Real beträgt das Plus 8,4 Prozent, woraus sich ergibt, dass Schuhe um 2,7 Prozent billiger geworden sind. Der Elektrohandel verlor nominell um 0,3 Prozent, gewann real aber um 3,3 Prozent. Ergo: Der (seit Jahren anhaltende) Preisverfall betrug im Vorjahr 3,6 Prozent. "Mehr verkauft, aber weniger Geld im Ladl", kommentiert Lemler diese Entwicklungen.

Interessant sei, sagt Voithofer, dass der Sportartikelhandel nach wie vor gute Wachstumszahlen vorlegen könne: "Eine sehr dynamische Branche, vor allem wenn man bedenkt, dass man vor fünf bis sieben Jahren ein noch viel kleineres Umsatzvolumen hatte." Einen "erfreulichen Umstand" nennt Lemler außerdem das Beschäftigungswachstum im Einzelhandel zwischen Eisenstadt und Bregenz von 1,4 Prozent: "Damit hebt sich der Handel in der derzeitigen Beschäftigungssituation in ganz besonderer Weise ab." Im Jahresdurchschnitt waren 2005 im Einzelhandel in Österreich rund 242.000 unselbstständig Beschäftigte tätig - ohne die geringfügig Beschäftigten, diese machen rund zehn Prozent der Mitarbeiter aus.

Vor zwei Wochen hatte Statistik Austria ebenfalls Daten zum Einzelhandel 2005 ausgeschickt: Demnach habe das nominelle Plus 2,1 Prozent betragen, das reale 1,4 Prozent. Den Unterschied erklärt Voithofer so: Statistik Austria befrage auf Unternehmensebene, KMU Forschung auf Geschäftsebene. Manche Unternehmen hätten jedoch Einzel-und Großhandelsteile, und dort sei der Zuwachs stärker gewesen, und diese würden nicht herausgerechnet. Außerdem nehme Statistik Austria Apotheken und den Brennstoffhandel hinzu. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2006)

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    Die Österreicher legten sich im Vorjahr merkbar mehr Schuhe zu, was den heimischen Schuheinzelhandel zum Topperformer in der 2005er-Statistik machte.

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