Hickersbergers Ausblick

7. März 2006, 13:51
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Alltag des ÖFB-Team­chefs beginnt mit Reisen - Ein Interview über Grundsätzliches und das Aufgebot für das Kana­da-Länderspiel

Wien - Nicht nur für die Fußballer der heimischen T-Mobile-Bundesliga, sondern auch für Josef Hickersberger beginnt in den kommenden Tagen der Fußball-Alltag. Der neue ÖFB-Teamchef wird am Donnerstag Martin Stranzl und Emanuel Pogatetz im direkten UEFA-Cup-Duell ihrer Klubs VfB Stuttgart bzw. FC Middlesbrough im Daimler-Stadion auf die Beine schauen, am Samstag dem Grazer Derby in Liebenau und einen Tag später in Linz der Partie Superfund Pasching - Red Bull Salzburg beiwohnen.

Vor dem Wiederbeginn der Jagd nach Punkten und Toren sprach der 57-Jährige, der am 23. Februar seinen Kader für das erste Länderspiel des Jahres (1. März in Wien gegen Kanada) bekanntgeben wird, im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur über den österreichischen Titelkampf, sein Nationalteam, die Legionäre, Grundsätzliches etc. So schreibt Rapids Meistermacher die mit sechs bzw. sieben Punkten zurückliegenden Rivalen von "Winterkönig" Austria Magna und Herbstmeister Red Bull Salzburg noch nicht ab.

Es scheint, als würden Austria Magna und Red Bull Salzburg den Titel untereinander ausmachen. Wie sehen Sie den Titelkampf?

"Die Zwei haben auf Grund der Spielstärke ihrer Kader und des Vorsprungs die besten Chancen. Das Gutgaben von sechs bzw. sieben Zähler auf Rapid und Liebherr GAK sowie Superfund Pasching und Josko Ried ist auf dem Papier groß, kann aber durch die Drei-Punkte-Regel schnell verspielt sein."

Welchen Klubs trauen Sie also zu, dass sie dem Spitzenduo vielleicht doch noch gefährlich werden können?

"Rapid, GAK oder Pasching könnten noch ein Wörtchen im Titelkampf mitreden. Bei den Hütteldorfern muss man abwarten, wie sie die Abgänge von Ivanschitz und Hofmann kompensieren und die geänderte Spielanlage mit dem Neuen Bazina funktioniert."

Vorne scheinen zwei Vereine weg zu sein und unten startet Schlusslicht Nordea Admira mit einem Punkte-Defizit von zehn Zählern. Lässt die Bundesliga im Frühjahr überhaupt noch Spannung zu?

"Wie gesagt, derzeit sieht es so aus, als würde der Titelkampf zum Duell. Aber schon in drei, vier Runden kann alles wieder anders sein. Unsere Liga ist jedenfalls spannender als jene in Deutschland, England, Italien oder Frankreich."

Was erwarten Sie von den Teamkandidaten im Frühjahr, in dem das Nationalteam auf Kanada (1. März) und Kroatien (23. Mai/beide in Wien) trifft?

"Von ihnen wünsche ich mir, dass sie alle spielen. Das ist ein frommer Wunsch, denn ich weiß, dass dies nicht bei allen Akteuren der Fall sein wird."

Gilt für Sie als Teamchef auch die Regel, wonach nur jene Akteure für den Nationalkader in Frage kommen, die in ihren Vereinen regelmäßig spielen?

"Diese Regel gilt für mich nicht, ich lege mir da keine Fesseln an, sondern werde von Fall zu Fall individuell entscheiden. Wenn jemand zwei Jahre im Klub nicht spielt, ist klar, dass er kein Thema fürs Team ist. Wenn aber jemand kurzfristig kein Stammspieler ist, kann er aber dem Aufgebot angehören."

Die Legionäre waren Ende Jänner/Anfang Februar nicht mit im Trainingslager in Dubai. Werden Jürgen Macho (1. FC Kaiserslautern), Stranzl, Pogatetz und Scharner (Wigan Athletic) im Kader für Kanada aufscheinen?

"Ja, wenn sie nicht verletzt sind, werden sie auch spielen. Die Legionäre sind besonders gefordert, weil sie schon länger in der Meisterschaft stehen und über mehr Spielpraxis als die Spieler der T-Mobile-Bundesliga verfügen."

Neben diesem Quartett gibt es auch noch einen Markus Weissenberger (Eintracht Frankfurt), Alen Orman (FC Thun) oder Thomas Prager (SC Heerenveen), den sie einst zu Rapid holen wollten usw. Haben diese Leute auch eine Teamchance?

"Für mich sind alle wichtig. Es ist für mich eine Verpflichtung, sie zu beobachten, mit ihnen und ihren Trainern guten Kontakt zu haben. Ich habe derzeit noch zu wenig Überblick, aber solche Leute stehen für mich stets auch im Blickfeld."

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    "Unsere Liga ist jedenfalls spannender als jene in Deutschland, England, Italien oder Frankreich"

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