Blaue Wunder, schweigende Wälder

16. Februar 2006, 12:41
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Die Kabarettisten maschek. deuten im Kasperltheater "Bei Schüssels" das Privatleben unseres Bundeskanzlers - Mit Ansichtssache

Wien - Die entscheidende Frage lautet nicht, ob der österreichische Bundeskanzler witzig ist. Noch für jeden, der sich in die Auslage stellt, hat sich im Lauf der Menschheitsgeschichte jemand gefunden, der das zum Zerkugeln findet. Die weitaus interessantere Frage lautet laut Peter Hörmanseder: "Worüber lacht Schüssel? Wer das weiß, gewinnt eine Eintrittskarte."

Noch präziser formuliert: Wie weit kann man gehen, und Wolfgang Schüssel lacht noch immer? Immerhin versteinern selbst langgedienten Politprofis in der ersten Reihe beim Villacher Fasching regelmäßig die nach oben gezogenen Mundwinkel.

Tiefe Witze

Freilich ist es so, dass das Wiener Trio maschek. im Gegensatz zu den Kärntnern definitiv die besseren, manchmal aber auch ebenso tiefe Witze zu bieten hat. Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel kommen aus dem beinharten Geschäft der Fernsehnachrichten. Und dort, wo man in der inszenierten Realität traditionell immer schon nach der Wahrheit graben musste, wird es schnell einmal abgründig.

Mit Programmen wie maschek.redt.drüber und zuletzt dem brüllend komischen The Great Television Swindle stellten die drei Mittdreißiger einer tieferen Wahrheit hinter bekannten Nachrichtenbildern nach, indem sie diese neu montierten und mit neuen Dialogen und Texten versahen. Einer breiteren Öffentlichkeit dürften die bekennenden Fernsehsüchtigen (Mach dein Hobby zum Beruf!) dank ihrer regelmäßigen Gastrolle bei Alfred Dorfers Donnerstalk auf ORF 1 unvergesslich sein. Immerhin handelt es sich bei maschek. um das einzig witzige Element dieser Sendung.

Kasperltheater

Man erinnert sich etwa mit Freuden an die wunderbare filmische Neuanordnung, wie Benita Ferrero-Waldner beim Münzwerfen gegen Heinz Fischer das Bundespräsidentenamt verliert, obwohl ihr ORF-Münzwerfer Elmar Oberhauser unerlaubt, aber hartnäckig zu helfen bereit ist.

Im nächste Woche im Wiener Rabenhof Premiere feiernden Stück Bei Schüssels verlassen maschek. jetzt erstmals ihr gewohntes Terrain eines technisch aufwändigen Multimedia-Kabaretts. Sie begeben sich auf Anregung und unter der Regie von Rabenhof-Chef Thomas Gratzer nach dem Text von Peter Hörmanseder auch tatsächlich ins Theater - und zwar in jenes, wo der Kasperl das Sagen hat.

Die altehrwürdige Wiener Tradition des Kasperltheaters wird für jung gebliebene Erwachsene wiederbelebt. Und weil die heute alle Denglisch reden und im Internetz surfen, hat das Stück den unglaublich fetzenden Untertitel The Official European Puppet Porn beigestellt bekommen. Die Gestaltung der Puppen kommt vom Linzer Cartoonisten Gerhard Haderer, gespielt werden sie von den Fachleuten vom Original Wiener Praterkasperl. maschek.redt.drüber wie gewohnt: "Es ist ein bösartiges Herumspielen..."

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Von Christian Schachinger

"Bei Schüssels", ab Dienstag, 21. 2., im Wiener Rabenhof

Link

rabenhof.at

Ansichtssache

"Ein bösartiges Herumspielen"

Puppenspiel: Original Wiener Praterkasperl
Konzept & Regie: Thomas Gratzer
Ausstattung: Gerhard Haderer
Musik: Eva Jantschitsch
Bühne: Erich Sperger
Skulpturales Design & Puppenproduktion: Ana Maria Heigl

  • Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel alias maschek. lassen "Bei Schüssels" die Puppen tanzen: "Wenn Schüssel unter seiner Kleinheit leidet, leidet die Puppe natürlich noch viel mehr."
    foto: standard/urban

    Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel alias maschek. lassen "Bei Schüssels" die Puppen tanzen: "Wenn Schüssel unter seiner Kleinheit leidet, leidet die Puppe natürlich noch viel mehr."

  • Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, so wie ihn Cartoonist Gerhard Haderer für das Wiener Rabenhoftheater als Titelheld des Kasperltheaters "Bei Schüssels" entworfen hat.
    foto: chilli gallei

    Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, so wie ihn Cartoonist Gerhard Haderer für das Wiener Rabenhoftheater als Titelheld des Kasperltheaters "Bei Schüssels" entworfen hat.

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