Ötsch übernimmt teure Piloten und Milliardenschulden

30. März 2006, 13:53
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Erfolgreich und zielstrebig, umgänglich und nie verletzend, extrem sportlich, Kunstliebhaber und glücklich verheiratet: Der designierte AUA-Chef, Alfred Ötsch

Wien - Siemens-Vorstand Alfred Ötsch (53), seit 2001 auch im AUA-Aufsichtsrat, folgt nun definitiv dem scheidenden AUA-Chef Vagn Sörensen nach, der nach nur einer Funktionsperiode seine Amtszeit beendet. Dass Ötsch an die Spitze der AUA wechseln wird, hat DER STANDARD exklusiv bereits am 8. September des Vorjahres berichtet. Seit damals freilich dementierte Ötsch vehement, schließlich wurde er gebeten und hat sich nicht beworben.

Der Niederösterreicher wechselte im November 2001 von Siemens Österreich zu Siemens Deutschland, ehe er im Dezember 2005 wieder zurück nach Wien kam und die Verantwortung für das Osteuropa-Geschäft übernahm.

Offiziell abgesegnet wird die Bestellung Ötsch vom AUA-Aufsichtsrat am 27. Februar. Finanziell ist der Sanierungsjob (im Stelleninserat wurden explizit "bewiesene Sanierungsqualitäten" verlangt) bei der AUA gut abgegolten: Sörensen zählt mit einem Jahresgehalt von 753.400 Euro zu den am besten verdienende Manager der öffentlichen und staatsnahen Betriebe. Die Staatsholding ÖIAG ist mit 39,7 Prozent der größte AUA-Aktionär.

Die Verträge der beiden amtierenden AUA-Vorstände, Josef Burger und Thomas Kleibl (Finanzen) wurden erst Ende 2004 um fünf Jahre verlängert. Wobei derzeit noch unklar ist, ob Kleibl bleiben kann, weil mit Ötsch bereits ein ausgewiesener Finanzfachmann an Bord ist und zudem die Performance von Kleibl nicht die beste war. Mit der Verkleinerung des Vorstandes auf zwei Mitglieder würde man intern auch kommende Spar-Pläne besser verkaufen können. Die AUA kam in der Ära vor Sörensen jahrelang mit einem Vorstandsduo aus: Die letzten waren Herbert Bammer und Mario Rehulka. Sie zählten zu den ersten "Opfern" der schwarz-blauen Regierung und wurden drei Jahre vor Vertragsende - bei vollen Bezügen - hinauskomplimentiert.

Drei Problemfelder

Auf den neuen AUA-Chef warten im Wesentlichen drei Problemfelder: Schulden von fast zwei Milliarden Euro, die teuren Piloten und die uneinheitliche Flotte (Airbus, Boeing, Fokker, Canadair, Bombardier), die hohe Servicekosten verursacht. Mit den Piloten gelang dem Vorstand unter Sörensen zwar eine Einigung über einen neuen Kollektivvertrag, doch besteht nach wie vor eine teure Betriebsvereinbarung.

Diese gesteht den 290 Langstrecken-Piloten Ruhezeiten zu, die weit über denen anderer europäischer Airlines liegen. Es geht also nicht nur um die hohen Gehälter, sondern auch um die Rahmenbedingungen. Für die Verhandlungen mit den Piloten wird Ötsch jedenfalls die ihm zugeschriebene soziale Kompetenz brauchen.

Ötsch, mit einer AHS-Lehrerin verheiratet und Vater zweier Töchter, steht für eine eigenständige AUA und gegen den Verkauf der ÖIAG-Anteile an die Lufthansa. Die Spekulationen über einen engere Anbindung an die Lufthansa habe aber zumindest dem Aktienkurs gut getan, der seit einem Monat um 4,5 Prozent zulegt hat. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2006)

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    Alfred Ötsch übernimmt für fünf Jahre die Führung der AUA-Gruppe mit insgesamt 8434 Mitarbeitern.

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