Kopf des Tages: Beamter mit benediktinischer Beharrlichkeit

28. Februar 2006, 15:41
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Bezirkshauptmann August Muri will zweisprachige Ortstafeln

Anfang März will August Muri, Bezirkshauptmann von Völkermarkt, in den wohlverdienten Ruhestand treten. Sozusagen im letzten Augenblick wäre der untadeligen Beamtenkarriere mit dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs beinah ein hässlicher Knick verpasst worden.

Das konnte und wollte Muri nicht auf sich sitzen lassen, auch wenn Loyalität zu seinen hervorstechendsten Eigenschaften zählt. Diese aber gilt dem Rechtsstaat und seinen unverrückbaren Gesetzen, nicht aber der wankelmütigen Politik mit ihren wechselnden Proponenten. Jörg Haiders Bleiburger Ortstafel-Verrücken, das der Bezirkshauptmann per politischer Weisung "legitimieren" musste, will Muri nicht akzeptieren.

Deshalb wird er auch, unbeeindruckt von Haiders Rage, treu und nur dem obersten Gesetzeshüter verpflichtet, den VfGH-Spruch nach vorheriger Konsultation mit dessen Präsidenten Karl Korinek erfüllen. Muri will die geforderten zweisprachigen Ortstafeln für Bleiburg und Ebersdorf schon demnächst verordnen. "Ich bin nur ein Mensch, der seine Pflicht tut, nicht mehr und nicht weniger", pflegt er dabei nobles Understatement.

Dabei erfuhr der 61-Jährige die Härten des Lebens schon sehr früh. 1945 als jüngstes von sechs Kindern eines Waldbauern mit slowenischen Wurzeln bei Vellach in der zweisprachigen Gemeinde Eisenkappl aufgewachsen, verlor er im Alter von fünf Jahren seine rechte Hand. "Da hat mein Vater gedacht, was kann der schon anpacken, und hat mich deshalb in Graz Jus studieren lassen." Seine Berufskarriere hat Muri dann mit jener Unbeirrbarkeit angepackt, die einem Beamten und Staatsdiener altösterreichischer Provenienz wesensimmanent ist. Von 1974 an bei der Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt im zweisprachigen Gebiet tätig, erklomm er während Haiders erster Kärntner Regentschaft den Posten des Bezirkshauptmanns.

Dass er des Slowenischen mächtig ist, dürfte dabei eine wesentliche Rolle gespielt haben - besonders in jenem ewigen Winkel des zweisprachigen Kärnten, der bis heute nicht zur Ruhe kommen will. In benediktinischer Beharrlichkeit am Sankt Pauler Stiftsgymnasium geschult, schaffte es Muri in seinem Bezirk meist ohne viel Aufhebens, Brücken zwischen Kärntnern deutscher und slowenischer Zunge zu schlagen. Mit der politischen Realität muss man einmal leben - aber eben nur, solange das Gesetz dabei nicht gebrochen wird.

Im Ruhestand will sich der vierfache Familienvater erst einmal in sein gemütliches Haus am Fuß der Petzen zurückziehen und dort seinem Hobby, dem Basteln, frönen. Was er sich am Ende seiner Laufbahn wünscht? "Dass wir bald zu einer Lösung in der Ortstafelfrage kommen. Denn die Menschen hier bei uns haben ganz andere Probleme." (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2006)

  • August Muri
    foto: standard/gert eggenberger

    August Muri

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