"Nur wenn man zusammenhält, kann man Dinge bewegen"

12. Februar 2007, 12:30
posten

Die Regisseurin Vivian Naefe im Gespräch mit derStandard.at über ihren neu angelaufenen Film "Die Wilden Hühner"

Die Regisseurin Vivian Naefe hat zahlreiche Arbeiten für das deutsche Fernsehen gedreht, wobei die Verfilmung "Die Wilden Hühner" nach der Romanvorlage von Autorin Cornelia Funke ihr erster Jugendfilm ist. Im Interview mit derStandard.at/Schule spricht sie über jugendliche Freiräume, die Arbeit am Set und wieviel Idealismus in ihren Filmen steckt.

***

derStandard.at: Der Film handelt von Jugendlichen, die sich einen Freiraum erkämpfen wollen. Sehen Sie das in Ihrem Film als eine der wichtigsten Botschaften für Jugendliche?


Naefe: Vielleicht ist meine wichtigste Botschaft, dass Freundschaften bestehen sollen. Nur wenn man zusammenhält, kann man Dinge bewegen. Man kann sich wehren und auch die Verhältnisse verändern.

derStandard.at: Die Kinder gehen sehr unerschrocken mit der älteren Generation um - ich meine das Verhältnis zwischen der Heldin Sprotte und ihrer Großmutter. Wie viel Idealismus und wie viel Autobiografie sind da bei der Umsetzung des Themas enthalten?


Naefe: Lacht Natürlich ist das ein Film, aber die Kinder sind schon sehr mutig. Ich sehe es an mir, an meiner Tochter und auch an den Kindern, die ich für diesen Film kennen gelernt habe. Die sind mutig. Die trauen sich was. Sie sind ja auch in einer Gruppe. Deswegen stellen sie sich im Film auch dem einen Vater entgegen und sagen "wir sind acht, du bist einer". Da ist schon ein bisschen Idealismus dabei. Man muss ja auch eine Utopie bieten.

derStandard.at: Ist es so, dass die Jugendlichen vormittags in die Schule gehen und am Nachmittag drehen?


Naefe: Nein, das geht nicht. Dann sind die zu sehr beansprucht. Die waren schon schulbefreit oder hatten Ferien. Wir hatten ja aus dem ganzen Bundesgebiet Kinder, und die Berliner haben ja anders Ferien als die Münchner. Die, die keine Ferien hatten, hatten einen Lehrer mit am Set. Die Armen.

derStandard.at: Inwiefern unterscheidet sich der Film von der Romanvorlage der Autorin Cornelia Funke?


Naefe: Wir haben drei Bücher zusammengezogen und dramatischer gemacht. Der Fuchs ist neu, der kam in dem Roman gar nicht vor. Sonst haben wir aber keine neuen Figuren erfunden.

derStandard.at: Bei der Geschichte geht es auch darum, dass sich Mädchen und Jungs auch gern haben könnten.


Naefe: Ja, es ist auch eine Geschichte der Annäherung zwischen den Geschlechtern. Die Heldin ist zuerst eine "Jungshasserin" und weicht dann im Laufe der Geschichte doch auf.

derStandard.at: Warum ist es Ihrer Meinung nach so schwierig in diesem Alter die Gefühle zu zeigen?


Naefe: Wenn man zu viele Gefühle zeigt, wird man ausgelacht oder es wird von der Clique vielleicht nicht akzeptiert. Wenn man keine Zeichen gibt, merkt es der andere nicht. Also da sofort den richtigen Weg zu finden, ist schon ziemlich schwierig.

derStandard.at: Kommt es auf dem Set auch zu einem Austausch zwischen Jung und Alt?


Naefe: Ja, das ist ganz toll. Wir sind auch Freunde geworden, glaube ich. Wir sind weiterhin in Kontakt. Ein Junge hat mich einmal gefragt, ob das Küssen nicht stark überschätzt werde und wie das denn eigentlich sei. Da habe ich dann auch gesagt: "Das muss man zunächst üben. Am Anfang ist das blöd, aber man gewöhnt sich dran."

derStandard.at: Die Mutter (Veronica Ferres) ist ja eigentlich stolz auf die "Unvernunft" von Sprotte bzw. der Bande "Die Wilden Hühner". Warum war es Ihnen so wichtig das so deutlich herauszuarbeiten?


Naefe: Ach, ich persönlich würde das auch verstehen, wenn meine eigene Tochter Hühner vor dem Suppentopf gerettet hätte. Ich finde es schön, dass man den Gegebenheiten des Lebens nicht gleich nachgibt.

derStandard.at: Wird es einen nächsten Jugendfilm geben?


Naefe: Ja. Der Film ist ja angelaufen und der Trend sieht gut aus. Wir wollen demnächst "Die Wilden Hühner und die Liebe" machen. Dabei sind die Jugendlichen ein Jahr älter und es geht um die "richtige Liebe".

derStandard.at: Welchen Tipp können Sie Jugendlichen geben, die jetzt schon wissen, dass sie SchauspielerInnen werden wollen?


Naefe: Lacht Oje - es versuchen und durchhalten. Man muss sehr stark sein. Auf jeden Fall sich bewerben - wir haben zum Beispiel auch Internet-Casting gemacht. Wenn man etwas will muss man soweit kommen, dass man spielt. Dann wird sich zeigen ob man gut ist.

Das Interview führte Marianne Schreck

Geschichte

Die fünfköpfige Mädchen-Bande "Die Wilden Hühner" ist nicht einverstanden, dass das Federvieh von Sprottes (Michelle von Treuberg) Großmutter (Doris Schade) im Suppentopf landen soll. Aus Verzweiflung über ihre Notlage bitten sie sogar die verfeindete Buben-Bande "Die Pygmäen" um Hilfe für die anstehende Rettung. Die Verfilmung der Jugendbuchreihe von Autorin Cornelia Funke handelt von Selbstbestimmung, Freundschaft und von der Möglichkeit, dass man Jungs auch gern haben könnte.

Links

www.wilde-huehner.de

Dressler-Verlag

Ansichtssache Kino 2006


>>>Zum Gewinnspiel
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Regisseurin Vivian Naefe mit zwei "Wilden Hühner"

  • Artikelbild
    foto: constantin film
  • Artikelbild
    foto: constantin film
  • Artikelbild
    foto: constantin film
  • Artikelbild
    foto: constantin film
  • Artikelbild
    foto: constantin film
Share if you care.