ÖsterreicherInnen-Test soll kein "Katalog aus Fangfragen" sein

21. März 2006, 17:09
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In den einzelnen Bundesländern ist man dabei, die Fragen zu formulieren: "Werte" sollen vermittelt werden

Wien – "Herschenken tun wir sie nicht", sagt Johannes Rauch, Pressesprecher von Innenministerin Liese Prokop (VP). Gemeint ist die Staatsbürgerschaft – der Weg zu ihr führt künftig über den Geschichts- und Landeskunde- Test, den Zuwanderer bestehen müssen. Die Anforderungen für diese Prüfung sowie auch jene für den verpflichtenden Deutsch-Test sollen in einer Verordnung festgelegt werden. Damit wird das neue Staatsbürgerschaftsgesetz präzisiert, das im Nationalrat beschlossen, von den Grünen und der SPÖ im Bundesrat aber beeinsprucht wurde.

Was ein angehender Österreicher wissen muss, steht im Detail noch nicht fest. "Wichtig ist vor allem die Wertevermittlung, weil viele Zuwanderer aus Ländern kommen, in denen zum Beispiel die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau eine andere ist als in Österreich", erklärt Rauch. Außerdem sollen Staatsbürgerschaftsanwärter wissen, wer der aktuelle Bundespräsident ist, dass es ein Parlament gibt und was eine Sozial- und Pensionsversicherung ist. "Wir werden nicht fragen, wann Caesar Großbritannien erobert hat", meint Rauch.

Der Test soll aus 18 "Multiple-Choice"-Fragen bestehen und drei Gebiete umfassen: Grundkenntnisse der demokratischen Ordnung, der Geschichte Österreichs und der Geschichte des Bundeslandes. Die ersten beiden Bereiche bearbeiten Bund und Länder, der dritte Teil ist den Ländern vorbehalten. Als Orientierung gilt der Lehrplan der vierten Klasse Hauptschule.

Hofer und Hausruck

Der Test soll nicht "allzu schwer" werden – darin sind sich die zuständigen Landesräte einig, wie ein STANDARD- Rundruf ergab. Was aber besonders wissenswert an ihrem Bundesland ist, will noch niemand preisgeben. Man warte auf den Bund. "Wir wollen niemandem etwas in den Weg legen", schickt Josef Gruber voraus, Mitarbeiter in der Staatsbürgerschaftsabteilung der oberösterreichischen Landesregierung. Ganz einfach soll es werden. "Dass es ein Hausruck- und ein Traunviertel gibt", meint Gruber, sollte ein Zuwanderer in Oberösterreich schon wissen.

Auch in Tirol tüfteln Landesregierung und Landesarchiv noch an der Fragenauswahl. Martin Plunger, Büroleiter der zuständigen Tiroler Landesrätin Anna Hosp (VP), denkt bei der Tiroler Geschichte zuerst an den Freiheitskampf 1809 durch Andreas Hofer und die Teilung in Nord- und Südtirol 1918. Dem Leiter des Landesarchivs Richard Schober geht es vor allem darum, "den Immigranten unsere kulturellen und politischen Voraussetzungen" verständlich zu machen. Dazu zählen aus der Geschichte für ihn die Einführung des Frauenwahlrechts, das Verhältnis von Kirche und Staat, Demokratie und Parlamentarismus.

"Es sollen Fragen sein, mit denen man im täglichen Leben konfrontiert wird", sagt der Vorarlberger Landesrat Erich Schwärzler (VP). "Ich halte nichts von einem Katalog aus Fangfragen. Der Test soll eine persönliche Bereicherung sein. Es kann nicht sein, alles für die Prüfung auswendig zu lernen, um alles wieder zu vergessen." Den neuen Vorarlbergern wird das Erinnern nicht schwer fallen: Sie bekommen nach dem Erhalt der Staatsbürgerschaft eine Landeschronik. (Stefanie Panzenböck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2006)

  • Mit dem Österreich-Test sollen Zuwanderer künftig beweisen, dass sie von Landeskunde, Werten und Geschichte eine Ahnung haben; und damit Österreicher werden und die Staatsbürgerschaft erhalten können.
    foto: beigelbeck

    Mit dem Österreich-Test sollen Zuwanderer künftig beweisen, dass sie von Landeskunde, Werten und Geschichte eine Ahnung haben; und damit Österreicher werden und die Staatsbürgerschaft erhalten können.

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