AEG-Verlagerung drückt Electrolux in die roten Zahlen

23. März 2006, 12:28
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Hausgerätehersteller mit 47 Millionen Euro Verlust im vierten Quartal 2005 - Weitere Werksverlagerungen angekündigt

Stockholm/Nürnberg - Die Kosten für die Schließung des deutschen AEG-Werks Nürnberg haben den schwedischen Mutterkonzern Electrolux in die roten Zahlen rutschen lassen. Unter dem Strich sei im letzten Quartal ein Verlust von 47 Mio. Euro geblieben, teilte der weltweit größte Hausgerätehersteller am Dienstag mit. Grund seien die Restrukturierungskosten von 225 Mio. Euro für die Verlagerung der Waschmaschinen- und Geschirrspülerproduktion von Nürnberg nach Polen. Die Börse hatte einen weit höheren Verlust erwartet, die Aktie legte zu.

Die rund 1.700 Beschäftigten in Nürnberg setzten ihren seit drei Wochen andauernden Streik am Dienstag fort. Sie fordern den Erhalt des Standorts und einen Sozialtarifvertrag im Umfang von 400 Mio. Euro.

Umsatz gesteigert

Electrolux steigerte seinen Umsatz im vergangenen Quartal um 18 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro. In Amerika und Asien lief das Geschäft mit "weißer Ware" gut. Die Schwäche der schwedischen Krone habe Electrolux Rückenwind verschafft, erklärte der Analyst Anders Berg von der Evli Bank. Henrik Schultz von der Danske Bank sagte, Einsparungen bei Hausgeräten und Preissteigerungen hätten zu einem sehr starken Quartalsergebnis geführt.

Im laufenden Jahr 2006 erwartet Electrolux Wachstum vor allem in Europa und Nordamerika. Bis Ende 2008 will der Konzern die Hälfte seiner Waschmaschinen- und Staubsaugerfabriken von Hoch-Lohn- in Billig-Lohn-Länder verlagern.

Die Electrolux-Führung ist mit der Bilanz für 2005 aber dennoch zufrieden. Konzernchef Hans Straberg sagte nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen, er sei "vor allem erfreut über den Trend zu höheren Ertragsraten, der sich bei Haushaltsgeräten über alle Regionen ausgebreitet hat". Auch 2006 erwarte man eine positive Entwicklung.

"Arbeitnehmer als Geiseln"

Im AEG-Konflikt hat Straberg der deutschen IG Metall vorgeworfen, die Arbeitnehmer als "Geiseln" zu nehmen. "Für unsere Beschäftigten hoffe ich, dass es ein Resultat gibt. Es ist nicht fair, wenn sie als Geiseln benutzt werden", sagte Straberg in einem dpa-Gespräch am Dienstag in Stockholm. Er bekräftigte zugleich, dass an der Schließung des Nürnberger AEG-Hausgerätewerks kein Weg vorbei führe. Die Fabrik sei nicht konkurrenzfähig. "Da können wir nicht weitermachen."

Zugleich hat Electrolux überraschend seinen Verhandlungsführer ausgewechselt, was in Deutschland als erstmaliges Entgegenkommen gegenüber der IG Metall gewertet worden war. Ab sofort werde der Produktionschef für Europa, Horst Winkler, die Verhandlungen auf Konzernseite leiten. AEG-Geschäftsführer Dieter Lange sei als bisheriger Verhandlungsführer zurückgetreten.

Die IG Metall hatte wiederholt beklagt, das AEG-Verhandlungsteam müsse sich ständig mit dem Konzern in Stockholm abstimmen, und gefordert, es sollten Manager "mit Entscheidungskompetenz" am Verhandlungstisch sitzen. Winkler erklärte: "Die IG Metall will unbedingt, dass ich am Tisch sitze - kein Problem." Im Gegenzug erwarte er, "dass spätestens am Mittwoch endlich ernsthaft über konkrete Lösungen gerungen wird." Der bisherige Verhandlungsführer Lange erklärte, er wolle die Gespräche nicht blockieren. "Jetzt hat die IG Metall eine Ausrede weniger, die Verhandlungen zu verschleppen." (APA/AP/dpa)

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