Weizer Belegschaft hofft auf Cross-Gruppe

2. März 2006, 13:12
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Bürgermeister der oststeirischen Stadt: "Bürger sehr angespannt vor Entscheidung" - Konsortium erfüllt alle Anforderungen

Graz - Die Spannung in der oststeirischen Industriestadt Weiz ist kurz vor der Entscheidung, an wen die VA Tech Hydro verkauft wird, "sehr groß", so Bürgermeister Helmut Kienreich (SPÖ). Die Entwicklung sei zuletzt "in eine gute Richtung" gegangen, die Hoffnung in der Belegschaft sei größer geworden, dass der Standort Weiz doch noch abgesichert werden könnte, schilderte VA-Tech-Zentralbetriebsratschef Siegfried Tromaier die Situation im Weizer Werk. "Wir hoffen, dass wir endlich bald zum Tagesgeschäft zurückkehren können."

Kienreich glaubt nach Gesprächen mit Siemens-Österreich-Generaldirektorin Brigitte Ederer an eine "nachhaltige Lösung" für Weiz. Seine Präferenz gilt der Cross- und nicht der Andritz-Gruppe.

Sorge um Zerschlagung

Die Hoffnung der Belegschaft liegt auf dem Cross-Konsortium um KTM-Chef Stefan Pierer. Nur so, meinte Tromaier, wäre General Electric (GE) mit im Boot, und es käme zu keiner Zerschlagung. Wenig Freude hätte man im Betrieb mit der Andritz AG, von der kolportiert wird, dass sie nur für den Wasserkraftbereich ein Angebot gelegt habe. Wäre dem so und würde sich Siemens an die Ankündigung halten, die VA Tech Hydro nur in einem Stück zu verkaufen, dann wäre Andritz schon aus dem Rennen.

Aber das sind, wie Tromaier unterstreicht, Überlegungen und Spekulationen - die Entscheidung werde in Deutschland durch den Eigentümer fallen. Dass dabei strategische Interessen im Hinblick auf den Konkurrenten GE eine Rolle spielen werden, dämpft den Optimismus der Weizer.

Stadt unter Strom

In Weiz sei die Stimmung nicht schlecht, sagte Tromaier, im Gegensatz zu Linz und Wien habe es bisher keine Abwanderungen und Abwerbungen gegeben. Bürgermeister Kienreich schätzte am Dienstag, dass das Warten auf eine Entscheidung die Beschäftigten des Generatoren-Bereichs natürlich verunsichere - und das nicht nur die Mitarbeiter, sondern die ganze Stadt und die Region: "Ich habe heute am Valentinstag viele Gespräche mit Bürgern in der Innenstadt gehabt, 50 bis 70 Personen haben mich gefragt, was wohl mit der VA Tech Hydro passiert." Schließlich sei jeder in der Region Weiz "irgendwie mit der alten Elin seit Jahrzehnten verbandelt".

Die Verunsicherung halte nun schon ein Jahr an, erklärte der Bürgermeister. Allerdings sei die Entwicklung bei dem von Siemens erworbenen Transformatorenbau erfreulich, die Produktion sei da bestens ausgelastet. Er, Kienreich, habe zuletzt vor einer Woche mit Siemens-Generaldirektorin Ederer gesprochen: "So klar wie sich Siemens deklariert - das Cross-Konsortium erfüllt ja alle Forderungen: steirische Provenienz, mit GE im Boot". Von der Andritz-Gruppe hingegen habe man bisher noch "keinen Hoffnungsschimmer für Weiz" gesehen. Auf die Frage, ob Andritz ein Gespräch mit ihm gesucht habe, meinte Kienreich: "Null, nichts gehört. Dabei sind die nur 25 Kilometer von Weiz entfernt." (APA)

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