Big Pharma: Wachstum durch Effizienz und Innovation

17. Februar 2006, 15:34
posten

Bringen Pharmaaktien die nötigen Vitamine, um Ihr Wertpapier-Depot gut vor der Frühjahrsmüdigkeit zu schützen? - Analyse von Stephan Lukesch

Die Pharmaindustrie steht vor zahlreichen Herausforderungen. Zu den Unternehmen, die diese am besten meistern werden, zählen Novartis und Pfizer, die ihre Stellung als Global Player weiter ausbauen.

Key Points

  • Demografie und Alter: Eine immer älter werdende Bevölkerung gibt einen immer größer werdenden Teil ihres Vermögens für die Gesundheit aus. Die Überalterung der westlichen Gesellschaft und die Zunahme der alterstypischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Alzheimer, sind die Chance für die Pharmabranche.

  • Patente und Generika: Auslaufende Patente und billige Nachahmer-Medikamente sind eine große Herausforderung für die etablierten Pharmaunternehmen. Um möglichen Umsatzeinbußen vorzubeugen, muss rechtzeitig für Nachschub in der Produktpalette gesorgt werden.

  • Forschung und Entwicklung: Entscheidend für den zukünftigen Erfolg eines Pharmakonzerns sind Forschung und Produktentwicklung. Bis zur Zulassung einer neuen Arznei vergehen oft mehr als zehn Jahre. Für Investoren und deren Einschätzung der zukünftigen Unternehmensentwicklung sind daher nicht nur die Kosten, sondern auch die Transparenz der Forschungs-Pipeline von entscheidender Bedeutung.

  • Innovation und Effizienz: Innovative Produkte, neue Technologien und Effizienz bei der Entwicklung und Herstellung von Medikamenten sind für den Erfolg eines Pharmaunternehmens unabdingbar. Durch Lizenz-Zukäufe und Unternehmensakquisitionen erweitern die Konzerne ihr Produktangebot.

  • Novartis und Pfizer: Die gut diversifizierten Unternehmen zählen aufgrund ihrer erfolgreich am Markt eingeführten Medikamente, ihren gefüllten Pipelines und ihrer Finanzkraft zu unseren Empfehlungen. Kostensenkungsprogramme sowie gezielte Lizenz-Zukäufe lassen ein stetiges Gewinnwachstum erwarten.

    Herausforderungen für die Pharmaindustrie

    Eine Vielzahl an Aspekten muss bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der großen Pharmaunternehmen berücksichtigt werden. Vor allem die unterschiedlichen Zeitpunkte der Patentabläufe sowie die differenziert zu betrachtenden Ausrichtungen der Unternehmen in Sachen Forschung und Produktentwicklung lassen eine einheitliche Bewertung der Branche nicht zu. Die globalen Megatrends wie z.B. der wirtschaftliche Aufschwung Chinas oder die steigenden Energiepreise beeinflussen die Branche vergleichsweise gering.

    Die Pharmaunternehmen sind mit einer großen Zahl hochrangiger Patentabläufe konfrontiert, wobei in nächster Zeit besonders die US-Pharmahersteller von dieser Situation betroffen sind. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass nach Ablauf des die exklusive Herstellung und Vermarktung sicherstellenden Patents der Konkurrenzdruck durch Generika-Medikamente stark steigt und sich der Absatz eines Produktes innerhalb kurzer Zeit reduziert. Hinzu kommen mögliche Umsatzverluste durch Patentstreitigkeiten.

    Produkt-Nachschub

    Um der damit verbundenen Umsatzerosion entgegenzuwirken, müssen Hersteller rechtzeitig für Nachschub in ihren Produkt-Pipelines sorgen, um neue innovative Medikamente auf den Markt bringen zu können. Im Umfeld steigender Kosten für Forschung und Entwicklung (F&E) muss ein Unternehmen etwa alle zehn Jahre sein Produkt-Portfolio komplett erneuern. Die Effizienz der F&E-Tätigkeiten eines Pharmaunternehmens ist daher entscheidend für seinen langfristigen Erfolg. Der Output steigt jedoch nicht im selben Maß wie die Entwicklungskosten. Ein Grund dafür ist, dass einige große Pharmafirmen mit neuen Medikamenten an der Neuzulassung gescheitert sind bzw. diese verzögert wurde. Sensibilisiert durch Aufsehen erregende Schadenersatzklagen wegen unerwünschter schädlicher Nebenwirkungen mancher Medikamente, verschärften die staatlichen Zulassungsbehörden im Sinne der "Drug Safety" die Zulassungskriterien.

    Kostendruck entsteht der Pharmabranche nicht nur durch Patentabläufe und wachsende Konkurrenz der Generika-Produzenten, sondern auch durch die staatlichen Gesundheitsorganisationen. Diese treten immer öfter zu Käuferkartellen zusammen und fungieren so als Preisdrücker, die oft auch preiswertere Generika-Lösungen bevorzugen. Unklar ist, inwieweit sich das in diesem Jahr in Kraft getretene US-Medicare Drug Benefit Program auswirkt. Die US-Regierung übernimmt damit einen Teil der Kosten von rezeptpflichtigen Medikamenten für rund 57 Mio. pensionierte Amerikaner. Dadurch wird sich sicherlich das Verkaufsvolumen erhöhen, der Druck auf die Preise nimmt aber ebenfalls zu.

    Chancen für Big Pharma

  • Der positive Ausblick für die Pharmabranche wird durch die demografische Entwicklung in der westlichen Welt unterstützt. Die Überalterung der Gesellschaft steigert die Nachfrage nach medizinischen Produkten. Speziell Medikamente gegen alterstypische Erkrankungen wie zum Beispiel Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Alzheimer oder auch Krebs versprechen hohe Absatzzahlen in der Zukunft.

  • Die Konsolidierung und Neuausrichtung der Pharmabranche ist voll im Gange. Geografische Expansion, Kostensenkungen, Innovation und die Steigerung der Effizienz im Bereich der Medikamenten-Herstellung sind die Schlüsselfaktoren für zukünftiges Unternehmenswachstum.

  • Organisches Wachstum zur Erweiterung der Produktpalette wird in vielen Bereichen der Industrie um den Zukauf von Lizenzen für kurz vor der Zulassung stehende Medikamente und Unternehmensakquisitionen ergänzt.

    Im Allgemeinen sind die europäischen Pharmatitel zu bevorzugen, da sie im Vergleich zu den amerikanischen Unternehmen mit einer geringeren Anzahl an Patentabläufen konfrontiert sind, viel versprechende Produkt-Pipelines aufweisen und damit ein gesundes Gewinnwachstum erwarten lassen. Da die Pharmakonzerne aber äußerst spezifische Produktkonzepte aufweisen und in verschiedenem Maße mit Patentabläufen konfrontiert sind, muss sorgfältig differenziert werden. Unter diesem Gesichtspunkt lauten unsere Empfehlungen Novartis und Pfizer:

    NovartisPfizer
    Kurs 13.02.06CHF 71,40USD 25,58
    Kursentwicklung % seit 31.12.0424,61-4,87
    Kursentwicklung % seit 31.12.053,409,69
    geschätzter Gewinn/Aktie lfd. Jahr3,952,01
    geschätzter Gewinn/Aktie nächstes Jahr4,422,12
    KGV lfd. Jahr18,1012,80
    Dividendenrendite1,613,75
    (Quelle: Datastream)

    Novartis

    Der Schweizer Pharmakonzern Novartis gehört zu den am breitesten diversifizierten Pharmaunternehmen weltweit und besitzt unter anderem eine 33-prozentige Beteiligung am Konkurrenten Roche. Die Arzneimittel-Sparte wird derzeit vor allem durch 5 Blockbuster-Medikamente getragen. Erwähnenswert sind auch die Umsatzbeiträge der Tochter Sandoz, die nach Übernahmen zum weltweit zweitgrößten Generika-Hersteller aufgestiegen ist. Nach mehreren großen Unternehmenszukäufen in 2005, setzt das Unternehmen nun den Schwerpunkt auf organisches Wachstum und Lizenz-Zukäufe. Zudem soll eine neue Impfstoff-Division aufgebaut werden. Novartis ist einem verhältnismäßig geringen Risiko durch Patentabläufe ausgesetzt und verfügt über eine gut gefüllte Produkt-Pipeline. Die Ankündigung von Kostensenkungsprogrammen unterstreicht die Erwartungen nach einem stetigen Gewinnwachstum.

    Pfizer

    Pfizer, der weltweit größte Pharmakonzern, konnte in den letzten Jahren durch eine gelungene Integration übernommener Unternehmen wachsen und zählt auch bei der Forschung und Entwicklung eigener Medikamente zu den erfolgreichsten der Branche. Der Hersteller von Viagra gewann kürzlich einen Patentstreit um das weltweit erfolgreichste Medikament, den Cholesterinsenker Lipitor, der dem Unternehmen 12,2 Mrd. US-Dollar Umsatz im Jahr 2005 bescherte. Lipitor ist auch eines jener Medikamente, welche von der US-Medicare Reform überdurchschnittlich profitieren wird. Derzeit werden einige viel versprechende Medikamente von den Gesundheitsbehörden abgenommen, die neben anderen Produkten im Laufe des Jahres 2006 auf den Markt kommen sollen. Weiters implementiert der Konzern ein Kostensenkungsprogramm, welches bis 2008 jährliche Aufwendungen in der Höhe von 4 Mrd. US-Dollar einsparen soll. Weitere Aktienrückkaufprogramme sowie Dividendenerhöhungen sollten für den Kurs des Unternehmens in Zukunft stützend wirken. Pfizers Vertriebsnetz, das weltweit wohl das effektivste ist, sollte die guten Wachstumsraten auch zukünftig sicherstellen.

  • Der Autor ist Analyst bei BA-CA Asset Management

    Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.
    • Artikelbild
    Share if you care.