Viktorianisches Gruseln

13. Februar 2006, 21:17
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"Das Geheimnis der Irma Vep" im Hundsturm des Volkstheaters

Selbst der Trash gehört mittlerweile schon ins Reich der Theatergeschichte. Dass aber inhaltlicher Tiefgang, solang professionell gestaltet, immer noch seine erquickende Wirkung tut, zeigt zurzeit der Hundsturm des Volkstheaters: In Charles Ludlams Das Geheimnis der Irma Vep werden abgelutschte Rollenklischees aus viktorianischen Gruseldramen in abstruse Beziehungen zueinander gesetzt. Vorweg, die Geschichte dient hauptsächlich der Ermordung des Sinns. Regisseurin Katrin Hiller schickt das Geschehen als wohl balancierte Multitaskingübung über die Bühne und von dort stellenweise weit hinein ins Zuschauerrevier. Jennifer Frank und besonders Karsten Dahlem meistern den Wechsel zwischen acht Charakteren mit dem nötigten Gespür für Schizophrenie und Improvisationsfreude. Derartig gespalten, jagen sie dem Punkt entgegen, an dem sie ihren Rollen endgültig das Existenzrecht absprechen können. Der Abend entwickelt sich so zum Hochgesang der Unsinnigkeit. Die benötigte Liebe muss das Publikum aber selbst mitbringen. (pet/DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2006)
Hundsturm, 5., Margaretenstraße 166, (01) 521 11-400. 15. 2., 20 Uhr
  • Mit Gespür für Schizophrenie: Jennifer Frank und Karsten Dahlem in insgesamt acht Rollen.
    foto: volkstheater/ torky

    Mit Gespür für Schizophrenie: Jennifer Frank und Karsten Dahlem in insgesamt acht Rollen.

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