ÖH Medizin: Festhalten an Beschränkungen ist "Skandal"

6. März 2006, 11:15
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Opposition: Ende der Beschränkungen in nicht-medizinischen Fächern - ÖH-Bundesvertretung "traurig"

Wien - "Nicht nachvollziehen" können die Hochschülerschaften (ÖH) der drei Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck die Freude über die von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) präsentierte Quotenregelung. Es sei ein "Skandal", dass mit dieser Quotenregelung die Zugangsbeschränkungen sowohl in der Medizin als auch in den anderen Studienrichtungen aufrecht bleiben, erklärt Judith Böhm, Vorsitzende der Universitätsvertretung Medizin Wien, gemeinsam mit den ÖH-Vorsitzenden der beiden anderen Med-Unis.

Die Problematik des großen Ansturms auf die medizinischen Universitäten bleibe damit weiterhin ungelöst, so die Studentenvertreter. Es müsse wiederum teure Auswahlverfahren mit voraussichtlichem Massenansturm geben, um festzustellen, wer im Rahmen dieser Quote studieren dürfe. Die ÖH-Vorsitzenden ärgert auch, dass die von den Studenten erarbeiteten Vorschläge zur Lösung der Problematik in keiner Weise beachtet worden seien.

SPÖ will Gesetzesvorschlag nicht zustimmen

SPÖ und Grüne fordern ein Ende der Zugangsbeschränkungen in den nicht-medizinischen Fächern. Die SPÖ will deshalb auch dem Gesetzesvorschlag von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) im Nationalrat nicht zustimmen, kündigte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal in einer Aussendung an.

"Unser Verdacht hat sich bestätigt: Die Zugangsbeschränkungen außerhalb der Medizin bleiben, weil Gehrer sie will. In Fächern wie BWL, Psychologie und Publizistik gibt es keinen Ansturm ausländischer Studierender. Mit einigen hunderttausend Euro zusätzlich könnten alle österreichischen Studierenden untergebracht werden", so Broukal. Skeptisch ist er auch bei der Quotenregelung für Medizin: "Ohne die Zustimmung der EU-Kommission ist Gehrers Vorschlag zum Zugang zum Medizin-Studium wenig wert".

Der Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, begrüßte zwar die Quotenregelung - "wenn die Regelung tatsächlich EU-konform ist und die Anzahl der Studienplätze in der Humanmedizin um 20 Prozent aufgestockt wird". Dies sei "eine deutliche Verbesserung gegenüber dem heurigen Status quo", so Grünewald in einer Aussendung. "Allerdings sollten gleichzeitig die Zugangsbeschränkungen in den übrigen Fächern aufgehoben werden, zumal hier für die fünf betroffenen Studienrichtungen österreichweit nur etwa 350 Studienplätze fehlen."

ÖH "traurig"

"Traurig" über die geplante Neuregelung des Uni-Zugangs zeigt sich die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH). "Höchst problematisch" sei vor allem, dass es mit der Quote einerseits weiter eine Diskriminierung von Studenten aus anderen EU-Staaten gebe, andererseits aber die Zugangsbeschränkungen nicht zurückgenommen worden seien, kritisierte ÖH-Vorsitzende Rosa Nentwich-Bouchal (Grüne und Alternative StudentInnen/GRAS) gegenüber der APA. Es gebe "keinen Willen, den freien Hochschulzugang zu retten".

Kritik übte sie auch an der von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) als "Erfolg verkauften" Aufstockung der österreichweiten Studienplätze in der Medizin auf 1.500. Im laufenden Wintersemester seien allein in Wien noch 1.560 Plätze für Medizin-Anfänger zur Verfügung gestanden. Eine Aufstockung ergibt sich nur, wenn man die für das nächste Jahr geplanten Kürzungen zu Grunde legt. (APA)

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