Herzschützer-Smock-Baby Doll

  • Zeitgenössisches Nachthemd, aufgenommen in Portugal.
    foto: standard/heribert corn

    Zeitgenössisches Nachthemd, aufgenommen in Portugal.

  • Smock aus dem 19. Jahrhundert
    foto: archiv

    Smock aus dem 19. Jahrhundert

  • Baby Doll der 50er-Jahre
    foto: archiv

    Baby Doll der 50er-Jahre

Die Geschichte des Nachtgewands ist eine relativ kurze - Bis zum 16. Jahrhundert war es üblich, nackt zu schlafen

Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte hindurch war es gesellschaftlicher Usus, nackt zu schlafen, nämlich bis zum 16. Jahrhundert. Erstmals namentlich erwähnt wurde das Nachthemd um 1500 in Italien. Dann erst fand in der Oberschicht - und hier nur bei Frauen - der Brauch, das Taghemd, welches unter der Kleidung getragen wurde, in der kalten Jahreszeit auch nächtens anzubehalten, Verbreitung.

Herzschützer und Smock

Unter der Bezeichnung "Herzschützer" setzte sich das Nachthemd im deutschen Sprachraum für beide Geschlechter durch: ein knöchellanges, weites Hemd, das am Hals mit zwei Knöpfen geschlossen wurde. In England hieß es "Smock", war aus weißem Leinenbatist oder Brachent, seltener aus Seide, und je nach Stand mehr oder weniger mit Spitzen, Rüschen und Stickereien verziert. Zusätzlich kamen ab dem 18. Jahrhundert wärmende Nachtjacken gegen die Kälte auf.

Etwa um 1870 wurde das Nachthemd der Frau aufwendiger. Anstelle des üblichen Umlegekragens kam der Stehkragen, Rüschen und Verzierungen mehrten sich und im Rücken wurde eine so genannte "Watteau-Falte" gelegt. Ab 1880 kam es wieder zu einer kleinen Änderung: durch eine durchgehende Knöpfung und ein Zugband in der Taille oder unter der Brust.

Pyjama

Dagegen blieb das Nachthemd des Mannes schlicht und glatt und wurde in den 1890er-Jahren durch den Pyjama verdrängt. Der wiederum setzte sich in der Damenmode nur langsam durch und erhielt erst um den Ersten Weltkrieg herum gesellschaftliche Akzeptanz. Einzige Ausnahme: Frauenrechtlerinnen sollen ihn schon früher getragen haben.

In den "wilden" 20er-Jahren erfuhr das Nachthemd der Frau eine merkliche Kürzung der Länge bis zum Knie: eine Art "Hänger" aus Satin oder Seide bzw. Kunstseide. Zehn Jahre später wurde es wieder bodenlang und war im "Prinzess-" oder "Empire"-Stil gehalten. Das Material Flanell kam für die Wintermonate auf.

Baby Doll

Das Baby Doll, bestehend aus kurzen Puffhosen und dazu passendem körperfernen Leibchen, stammt aus dem Jahr 1956. Es bestand zumeist aus Baumwolle, später auch aus Polyester. In den 1960er und 1970er-Jahren kehrte die Knielänge bei den Nachthemden zurück. Nun waren romantische Blumenmuster und geometrische Formen in poppigen Farben im Trend. Für den Winter setzte sich kuscheliger Frottée durch.

Ab den 1980er-Jahren wurden die Nachthemden wieder wadenlang, vorwiegend aus Baumwoll-Wirkware und weitgehend schmucklos, von einzelnen Applikationen abgesehen, hergestellt. (dabu)

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