Israel wehrt sich gegen Oscar-Kandidat aus "Palästina"

6. März 2006, 11:00
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Diplomatische Kontroverse um Selbstmordattentäter-Film "Paradise Now": Akademie solle Herkunftsland-Bezeichnung überdenken

Jerusalem - Israelische Diplomaten wollen einer Zeitung zufolge verhindern, dass ein Film über palästinensische Selbstmordattentäter bei den Oscars unter dem Herkunftsland "Palästina" geführt wird. "Yedioth Ahronoth" berichtete am Sonntag, das israelische Konsulat in Los Angeles und lokale jüdische Gruppen drängten die Akademie, die Bezeichnung für das Herkunftsland des Films "Paradise Now" zu überdenken.

Die Palästinenser-Gebiete seien bisher nicht als Staat anerkannt, heiße es zur Begründung. Dem Bericht zufolge haben die Organisatoren der Oscar-Verleihung einer Namensänderung zugestimmt. Die Zeremonie findet am 5. März statt.

Die zuständige US-Filmakademie in Los Angeles konnte zunächst nicht für eine Stellungnahme erreicht werden. Israels Außenministerium wollte sich nicht äußern.

In "Paradise Now" geht es um die Rekrutierung zweier junger Selbstmordattentäter in den Palästinenser-Gebieten. An dem umstrittenen Film haben Palästinenser, Israelis und Europäer mitgewirkt. Auf der Oscar-Internetseite ist als Herkunftsland "Palästina" eingetragen. "Paradise Now" ist als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert und tritt damit auch gegen den deutschen Streifen "Sophie Scholl" an.

Zahlreiche Kino-Ketten in Israel zeigen "Paradise Now" nicht. Sie berufen sich auf Marketing-Experten, laut derer nur wenige Menschen im Land den Film sehen wollen würden. In den Palästinenser-Gebieten kam der Streifen gut an, hat aber auch dort kontroverse Diskussionen hervorgerufen. (APA/Reuters)

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    Filmszene aus "Paradise Now"

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