Annan schlägt Teilprivatisierung der UNO vor

21. März 2006, 15:47
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Übersetzungs- und Dokumentationsabteilungen sollen ausgelagert werden - Ländervertreter und Gewerkschaft kritisieren Vorschlag

New York - Mitarbeitern der Vereinten Nationen droht Ungemach: Um Kosten zu sparen, hat UNO-Generalsekretär Kofi Annan die Teilprivatisierung des Sekretariats vorgeschlagen. Wenn der Plan durchgeht, würden Hunderte von Stellen in den Übersetzungs- und Dokumentationsabteilungen ausgelagert und auf den Privatsektor übertragen.

Annans Vorschläge sollen noch vor Monatsende der Generalversammlung als Teil seines Reformprogramms zugeleitet werden, berichtete am Sonntag die amerikanische Tageszeitung "The Boston Globe". Die beiden Abteilungen beschäftigen mehr als 800 Mitarbeiter.

Auslagerung

Annan steht unter Druck der Bush-Regierung und konservativer Kongresskreise, die UNO-Bürokratie zu straffen und effizienter zu gestalten. Ein Sprecher der US-Delegation bei den Vereinten Nationen sagte jedoch, die USA hätten mit Annans Teilprivatisierungsvorschlägen nichts zu tun. Washington setzte sich für ein besseres Funktionieren der UNO ein, und dies erfordere, dass alle Möglichkeiten geprüft werden, sagte er.

Das Thema der Auslagerung hatte voriges Jahr der für internationale Organisationen zuständige amerikanische Staatssekretär Mark Lagon bei einer Anhörung vor dem Kongressausschuss für Internationale Beziehungen angeschnitten. Der UNO-Haushalt 2003 bis 2005 sieht für die Übersetzungs-und-Dokumentationsabteilungen 565 Millionen Dollar (472 Millionen Euro) vor. Dies ist nach Auskunft des US-Außenministeriums in Washington der größte Einzelposten.

Marktfaktoren

Die Frage, ob das Outsourcing Kosten einspart, bleibt in Annans Empfehlungen unbeantwortet. Dies hänge von Marktfaktoren ab und der Art und Weise, wie die Auslagerung gemanagt wird, heißt es. UNO-Mitarbeiter befürchten, dass Annans Vorschläge den Verlust vieler Arbeitsplätze zur Folge haben würde.

Bei einer Veranstaltung am Donnerstag im UNO-Sekretariat sagten Vertreter der UNO-Mitarbeitergewerkschaft, Reformen, die die Kürzung der medizinischen- und Altersversorgung zum Ziel hätten, könnten nicht akzeptiert werden. "Wir sind kein Privatunternehmen", sagte Gewerkschaftsführerin Rosemarie Waters vor fast tausend Mitarbeitern.

"Einzigartige Rolle" der UN

Auch Ländervertreter äußerten Bedenken. "Wir wollen die Errungenschaften der Vergangenheit nicht einfach über Bord werden", sagte Österreichs UNO-Botschafter Gerhard Pfanzelter im Namen der EU. Er erinnerte an die "einzigartige Rolle" der UNO, die sich nicht in ein Privatunternehmen verwandeln lasse.

Ähnliche Bedenken äußerte die so genannte Gruppe 77, der über hundert Entwicklungsländer angehören, sowie China. Einige Kreise werfen Anann vor, er tanze nach der Pfeife Washingtons, um sein ramponiertes Image nach der Korruptionsaffäre im Zusammenhang mit dem Öl-gegen-Lebensmittel-Programm aufzupolieren. (APA)

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