Sie bringen Licht in die Welt

24. Februar 2006, 20:33
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Beleuchtungskommission in Wien koordiniert Forschungen zum Thema Licht - von Straßen- laterne bis zu "Licht- hauben" von Städten

Wien - Seit fast 20 Jahren ist Wien die Stadt des Lichts. Genauer: die Welthauptstadt des Lichts. Noch genauer: Der Sitz des Zentralbüros der Internationalen Beleuchtungskommission CIE, die sich seit 1913 um fast alle Dinge rund um Licht und Beleuchtung kümmert - von der Messung über die Auswirkungen bis zu den Anwendungen. Egal ob die Flutlichtbeleuchtung in Sportstadien und deren Auswirkung auf die Fernsehbilder, die Folgen von Kunstlicht für Nachtarbeiter oder die beste Art, Straßen zu beleuchten: Internationale Forschungen und Berichte werden seit 1987 in Wien koordiniert.

Dass das im eigenen Land nicht sonderlich bekannt ist, daran hat sich CIE-Generalsekretärin Christine Hermann gewöhnt. "Vor allem die Wahrnehmung durch die politischen Entscheidungsträger ist immer ein gewisses Problem", gesteht sie ein, während sie im großen Sitzungssaal der Kommission sitzt, und deutet durch das Fenster auf die Kegelgasse im Wiener Bezirk Landstraße auf eine Straßenlaterne: "Die hängt nicht günstig - genau auf der Höhe der Fenster."

Rund 130 Projekte

In sieben "Divisionen" ist die CIE gegliedert, derzeit gehören Nationalkomitees von 37 Staaten zu dem unabhängigen Verein. Zurzeit werden rund 130 Projekte bearbeitet. Industriebetriebe stellen ehrenamtlich tätige Experten für Grundlagenforschung und Normierung ab, Universitäten ihre Wissenschafter, Architekten und Physiker arbeiten genauso zusammen wie Ärzte und Designer.

"Neben lichttechnischen Fragen ist derzeit Licht und Gesundheit ein großes Thema", so Hermann. 2001 hatten US-Forscher veröffentlicht, dass es im menschlichen Auge Rezeptoren gibt, die nicht direkt mit dem Sehen zu tun haben, sondern offenbar über die Hell-dunkel-Wahrnehmung Körpervorgänge beeinflussen. Ändert man die Farbzusammensetzung des Kunstlichtes, könnten möglicherweise Krankheiten verhindert werden. Im September werden in der kanadischen Hauptstadt Ottawa bei einem CIE-Symposion die neusten Erkenntnisse dazu präsentiert.

Auch in Wien treffen sich immer wieder Experten zu Workshops, um Themen wie "City Beautification" (Stadtverschönerung durch Lichtsetzung) oder "Skyglow" (die für Astronomen störenden Lichthauben über Städten) zu diskutieren. Man habe "aber auch Projekte laufen, wie man mit geringem Einsatz die Straßenbeleuchtung in Entwicklungsländern verbessern kann", schildert Hermann. "Bei diesen Projekten ist aber die Finanzierung immer problematisch", bedauert sie. So bemüht sich die Kommission weiter, das Licht in die Welt zu bringen. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Feburar 2006)

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CIE
  • Christine Hermann ist Generalsekretärin der Lichtkommission. Hinter ihr lächeln in einer langen Reihe die CIE-Präsidenten freundlich von der gut beleuchteten Wand.
    foto: standard/christian fischer

    Christine Hermann ist Generalsekretärin der Lichtkommission. Hinter ihr lächeln in einer langen Reihe die CIE-Präsidenten freundlich von der gut beleuchteten Wand.

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