Wien verliert in jedem Fall

9. März 2006, 19:03
2 Postings

Die polnischen HVB-Töchter wollen keinesfalls unter Wiener Fittiche - Von Thesy Kness-Bastaroli

Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Diese Binsenwahrheit trifft im Streit zwischen der Mailänder Großbank UniCredit und Polen - ausnahmsweise - nicht zu. Als Verlierer gilt bei dem sich abzeichnenden Kompromiss weder die Mailänder Großbank noch Warschau, sondern Wien. Denn die dort angesiedelte Ost-Holding droht ausgerechnet das margenstarke Polengeschäft zu verlieren.

Der Grund: Die Polen sträuben sich vehement gegen die Fusion ihrer beiden von UniCredit kontrollierten Banktöchter. Ein Ultimatum löst das andere ab. Zuerst sollten die Italiener ihre durch die HVB-Bank-Austria-Übernahme erhaltene Mehrheitsbeteiligung bei der polnischen BPH-Bank abgeben. Dann drohte Warschau den Privatisierungsvertrag von 1999 rückgängig zu machen, der UniCredit einst die Bank Pekao einbrachte. Die Regierung will sogar beim Europäischen Gerichtshof vorsprechen. Polen sei keineswegs ein Europaskeptiker, aber ein bisschen Protektionismus müsse man dem Land, in dem erst vor 15 Jahren die Marktwirtschaft eingeführt wurde, schon zugestehen, argumentiert Regierungschef Kazimierz Marcinkiewicz.

Was die Polen wirklich wollen, liegt auf der Hand: Arbeitsplätze bewahren. Und: Sie wollen keinesfalls unter Wiener Fittiche. Verhandlungen, wonach die beiden polnischen Ableger direkt unter die Obhut des Mailänder Hauptquartiers gelangen, sind bereits im Gange. Für Unicredit-Chef Alessandro Profumo ist es einzig wichtig, die Integration mit HVB-Bank-Austria so schnell wie möglich voranzutreiben. Dabei will er auf renditestarke Märkte wie Polen nicht verzichten. Dieser war schließlich einer der Hauptgründe für die 19 Mrd. Euro schwere HVB-Übernahme. Dass die Ost-Holding in Wien amputiert wird und einen profitablen Markt verliert, ist in Mailand kein Argument. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2006)

Share if you care.