Sudans Präsident Bashir: "Darfur ist eine Erfindung"

9. März 2006, 14:08
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"Ausländische Kräfte sollen sich heraushalten" - Khartum "Opfer des Terrorismus" und Bin Laden "Schöpfung der CIA"

Khartum/Wien - Der sudanesische Präsident Omar Hassan al-Bashir hat den Darfur-Konflikt als "Erfindung" bezeichnet. "Es gibt weder einen Völkermord noch ethnische Säuberungen in Darfur. Der so genannte Darfur-Konflikt ist eine Erfindung ausländischer Interessen", sagte Bashir dem Nachrichtenmagazin "profil" (Montagsausgabe). Auch die Janjaweed-Milizen, denen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung in der sudanesischen Provinz zur Last gelegt werden, "sind eine bloße Erfindung".

Bashir räumte aber ein, dass in der Provinz viele Stammesgruppierungen bewaffnet seien, weil sei Waffen aus dem Ausland erhielten. "Diese Waffen werden unglücklicherweise immer öfter bei Konflikten um knapper werdendes Wasser und Weideflächen eingesetzt", sagte er. Die Bevölkerung in Darfur sei in der Lage, die Probleme im Dialog und Kooperation mit der Zentralregierung zu lösen. "Wir fordern alle ausländischen Kräfte auf, sich aus dem Darfur-Konflikt herauszuhalten", sagte er auf die Frage nach Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH / ICC) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Provinz.

In der westsudanesischen Region herrscht seit Februar 2003 ein Bürgerkrieg, in dem sich Rebellengruppen und von der Regierung in Khartum unterstützte arabische Reitermilizen erbarmungslose Kämpfe liefern. Nach UNO-Schätzungen starben dabei bisher bis zu 300.000 Menschen. Die Afrikanische Union hat 7.000 Soldaten in Darfur stationiert.

"Opfer des Terrorismus"

Bashir sieht sein Land als "Opfer des Terrorismus", das niemals Terroristen unterstützen würde. Den Moslem-Extremisten Osama bin Laden, der im Sudan lediglich als "Investor" tätig gewesen sei, bezeichnete er als "Schöpfung der CIA". Zugleich räumte er ein, dass sein Land mit dem US-Geheimdienst zusammenarbeite. "Die CIA ist in unserem Land. Sie sind in der amerikanischen Botschaft hier in Khartoum. Damit haben wir keine Probleme", sagte Bashir auf die Frage nach möglichen Verhörzentren des US-Auslandsgeheimdienstes im Sudan.

Die US-Intervention im Irak habe die arabische Welt eher gestärkt, betonte Bashir. "Dieser Krieg war Unrecht und ungerechtfertigt. Alle Vorwürfe, mit denen er begründet wurde, stellten sich im Nachhinein als falsch heraus. Es gab keine Massenvernichtungswaffen und keine terroristischen Aktivitäten, Letztere begannen erst nach der Intervention. Die Vereinigten Staaten haben den Terror also selbst ausgelöst." Die Entwicklungen im Irak würden "die Amerikaner zwingen, ihre Methoden zur Gestaltung der Welt zu überdenken".

"Kein Zusammenstoß der Zivilisationen"

So lange es keine einheitliche Terrordefinition der internationalen Gemeinschaft gebe, sei es "falsch, gegen irgendeine Nation im Namen der Terrorbekämpfung mit kriegerischen Mitteln vorzugehen", betonte Bashir. Ein großer Fehler sei auch, von einem Zusammenstoß der Zivilisationen zu reden. Stattdessen sollten die verschiedenen Zivilisationen von einander lernen.

Zu den Zukunftsaussichten des aus einem moslemischen Norden und einem christlichen Süden bestehenden Sudan äußerte sich Bashir optimistisch. Der Süden habe laut dem Friedensvertrag das Recht zur Abspaltung. "Falls es wirklich zu einer Separation kommen sollte, wäre diese nicht unbedingt vom christlich-moslemischen Gegensatz verursacht. Ich gehe aber nicht davon aus, dass es tatsächlich zu einer Spaltung kommt." (APA)

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    Für den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Bashir existiert der Darfur-Konflikt gar nicht.

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