Wiener Pirouetten

14. März 2006, 17:07
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Lust zu einem Tänzchen auf dem Eis? Frei­luft­kunst­eis­bahnen in Wien im Test

Wer in der Mittagspause oder zum Chill-out nach Büroschluss Lust zu einem Tänzchen auf dem Eis hat, dem stehen in Wien mehrere Freiluftkunsteisbahnen zur Verfügung. Evelyn Steinthaler hat sich zu einem Vergleich aufs spiegelglatte Parkett gewagt.

Nicht nur der nordischen Göttin Skadi und ihrem Göttergatten Uller bereitete der Eislauf großes Vergnügen, auch Johann Wolfgang von Goethe war ein überaus begeisterter Eisläufer: Die Freude an der Bewegung auf dem Eis schlug sich in seinem Werk Dichtung und Wahrheit nieder. Auch Klopstock verarbeitete das Gleiten auf Schlittschuhen literarisch in seinen Eislauf-Oden.

Zu Goethes Zeit galt Eislauf als unschicklich

Dabei setzte sich der Eislauf vorerst nur in den Niederlanden als Sport für alle Bevölkerungsgruppen durch. In Russland und Österreich dauerte es bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, ehe sich Frauen auf das spiegelglatte Eis wagten und damit aus dem winterlichen Eisvergnügen ein Massensport wurde. Zu Goethes Zeit galt es für Frauen als unschicklich, dem Eislaufsport zu frönen, also wurden Damen der Gesellschaft in kleinen Schlitten über das Eis gezogen. Eine der ersten prominenten Frauen auf dem Eis war übrigens Lola Montez, die berüchtigte Geliebte des Bayernkönigs Ludwig I.

Neben allen anderen vom Eissport begeisterten Nationen sind die Niederlande besonders leidenschaftlich, wenn es um die gleitende Bewegung auf dem Eis geht: Im Eisschnelllauf gehören sie seit Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze. Ob der Eislaufsport aber aus dem Land der Grachten stammt, ist umstritten: Sowohl in Island, Russland, Frankreich, der Schweiz als auch eben in den Niederlanden gibt es Funde von Kufen aus Knochen, wie sie vor der Erfindung des Holz-Eisenschlittschuhs, dem Vorläufer des heutigen Stahlschlittschuhs, üblich waren. Als gesichert gilt, dass das Gleiten über Eis seinen Anfang als alltägliche Fortbewegungsform für jene fand, die am Wasser lebten - ähnlich dem Skilauf für die Bergbevölkerung.

Seit 1912: Wiener Eislaufvereins beim Stadtpark

Um unter freiem Himmel Eislaufen zu können, sind heute aber keine zugefrorenen Kanäle oder Seen mehr nötig: Es stehen immer mehr Freilufteisbahnen zur Verfügung, um ein Tänzchen auf dem besonders glatten "Parkett" zu wagen - als Beispiele seien nur das Rockefellercenter in New York oder die in diesem Winter neu und in luftiger Höhe von 57 Meter installierte Eisbahn auf dem Pariser Eiffelturm erwähnt. In Wien haben Kunsteislaufbahnen eine sehr lange Tradition: So gehört die 1912 in Betrieb genommene Anlage des Wiener Eislaufvereins beim Stadtpark zu den ältesten und größten Eislaufplätzen der Welt.

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Die Kriterien

Nicht jeden Winter sind so viele Seen und Teiche zugefroren wie heuer, deshalb haben wir uns die Kunsteislaufbahnen in der Bundeshauptstadt näher angesehen, die wetterunabhängig in Betrieb genommen werden und deren Öffnungszeiten (ohne Schließtage) sich bis in den März ziehen. Zwar gibt es in Wien auch Plätze, die nur zu Winteranfang geöffnet haben, also von Mitte Dezember bis Mitte Jänner, selbige wurden in diesem Test aber nicht berücksichtigt.

Zu den Kriterien dieses Tests gehören unter anderem: Erreichbarkeit, Flair des Platzes, Musikauswahl, gastronomische Angebote und der Schlittschuhverleih ebenso wie die Besucherdichte an den verschiedenen Wochentagen.


Die Ergebnisse

Wiener Eislaufverein
3., Lothringerstr. 22
Mo 9-20, Di-Fr 9-21, Sa/So/Fei 9-20 Uhr; bis 5. März

Mit Blick auf das Wiener Konzerthaus kann man sich auf der 6000 m² großen Eisfläche des traditionsreichen Wiener Eislaufvereins selbst am Wochenende mit genügend Bewegungsfreiheit tummeln. In der Mitte des Platzes wird mitunter ein Teil abgesperrt, in dem die ganz Kleinen und auch Anfänger ihre ersten Schritte auf den Kufen versuchen, ohne dabei vom Tempo der Anderen verunsichert zu werden. Die Musik ist durchwegs modern beschwingt und passt gut zur tollen Bewegungsfreiheit.

Die Eintrittspreise liegen mit 5 bis 7 € für Erwachsene und 5 bis 5,50 € für Kinder/Jugendliche (6-18 Jahre) etwas über dem Niveau der städtischen Eislaufplätze, dafür bekommen Gruppen aber spezielle Ermäßigungen. Im Schlittschuhverleih ist der Eislaufverein mit Preisen von 4 bis 5,50 € etwas günstiger, und auch hier macht es sich bezahlt, wenn man als Gruppe (ab fünf Personen) aufs Eis will. Die Leihschuhe sind, wenn auch nicht durchgehend die neuesten Modelle, alle gut gepflegt und geschliffen. Nicht nur an der Bar auf der Eisbahn, sondern auch bei der Cafeteria und im Buffet kann man den kleinen Hunger oder Durst stillen. Das vielfältige Kurs-und Spezialangebot - Eistanzkurse, Kinderkurse, der Seniorenlauf oder auch die legendären Tanzabende - macht den Eislaufverein endgültig zum Testsieger.
8,8 Punkte

Kunsteisbahn Engelmann
17., Syringg. 6-14
Mo 9-18, Di/Do/Fr 9-21.30, Mi/Sa/So/Fei 9-19 Uhr; bis 12. März

Noch ehe der Wiener Eislaufverein seinen Kunsteislaufplatz eröffnete, gab es 1909 schon die Kunsteisbahn Engelmann über den Dächern von Hernals. Die private Eislaufbahn wird von unserer Jury als besonders kinderfreundlich gelobt, und auch das Angebot an den verschiedenen Kursen (Eistanz, Eishockey etc.) ist durchaus umfangreich und wird gut angenommen. Insgesamt gibt es keine Wartezeiten wegen Überfüllung auf dem Eis, und man hat auch an den Abenden genügend Raum für die wunderbar gleitenden Bewegungen auf dem Eis.

Mit den Eintrittspreisen (von 4,50 bis 7 € für Erwachsene und 4 bis 5,50 € für Kinder/Jugendliche (7-18 Jahre) liegt Engelmann etwas über dem Niveau der Stadt, aber die Atmosphäre in luftiger Höhe lässt die Jury auch die etwas höheren Preisen ohne Kritik annehmen. Die Leihschuhe (von Größe 24 bis 50!) gehören zwar nicht zu den neuesten Modellen, sind aber gut in Schuss und kosten 5,50 € pro Paar/Tag. Die überdachte Garderobe erfreut unsere Jury ebenso wie die große Kantine mit Restaurantbetrieb, in der man sich aufwärmen kann. Auch wenn es am Freitag eine spezielle Engelmann-Eisdisco gibt, so wird die 2780 m² große Kunsteisbahn doch durchgehend musikalisch bespielt: Das Repertoire reicht von Evergreens bis zu aktuellen Hits, von volkstümlicher Musik bis Techno.
8,1 Punkte

--> Weitere Ergebnisse
Wiener Eistraum
1., Rathausplatz
täglich 9-23, Traumpfad täglich ab 14 Uhr; bis 5. März

Eislaufen als Attraktion gibt es auf dem Wiener Rathausplatz für gerade mal sechs Wochen. Zwei Eisflächen und eine 410 Meter langen Eisbahn durch den Rathauspark locken die Besucher ebenso aufs Eis wie die neu installierten Eisstockbahnen auf insgesamt 4200 m² Fläche. Unsere Jury freut sich über die in einem Glaskubus untergebrachte Garderobe, die beim Schuhwechsel gut vor der Kälte schützt.

Eintrittspreise (Kinder 2,50 bis 4, Erwachsene 3,50 bis 5 €) und Schlittschuhverleihgebühren (3,80 bis 6 €) entsprechen auch hier ebenso dem Durchschnitt wie die Qualität der Schuhe. Für die ganz Kleinen gibt es übrigens gratis Kunststoff-Pinguine auf Kufen, die den Zwergerln auf dem glatten Eis hilfreich "zur Seite" stehen. Die Musik kommt von Radio Wien und wird zu bestimmten Zeiten von verschiedenen Moderatoren live aufgelegt. Mit neun Anbietern zeichnet sich der Gastro-Bereich als besonders umfangreich aus - gleiches gilt für das Rahmenprogramm: Promi-Eishockey, Kinderschminken, Jazz-Brunch etc. Ab 9 und 12 Uhr, also schon vor dem Büro oder in der Mittagspause, können hier erste Pirouetten geübt werden. "Je früher, desto besser" ist das Motto für alle, die ein bisschen mehr Platz haben wollen. Denn obwohl der Eistraum diese Saison um einiges größer geworden ist, gibt es bei rund 20.000 Besuchern am Wochenende für eine Hommage an das legendäre britische Eistanzpaar Torvill & Dean kaum genügend Spielraum.
7,5 Punkte

Sportanlage Windtenstraße/Eisring Süd
10., Windtenstraße 2
Mo-Fr 8-18.30, Mi 8-18, Sa 9-20, So/Fei 9-19 Uhr; bis 12. März

Vor der Kulisse der benachbarten Gemeindebauten wird einem auf der 1800 m² großen Freiluftbahn zwar nicht unbedingt romantisch ums Herz, dennoch ist sie mit ihrer unaufdringlichen Radio-Musikbeschallung und der alternativen Eislaufhalle in gleicher Größe zu empfehlen. Am Sonntagnachmittag gibt es von 14 bis 18 Uhr die Eisdisco, bei der für fast jeden Musikgeschmack etwas geboten wird. Die Cafeteria erinnert mit ihrem Angebot und ihrer Ausstattung an einen (eher deprimierenden) Aki-Kaurismäki-Film: "So was muss man mögen", meint eine Testerin.

Für den Eisring Süd spricht neben durchschnittlichen Preisen für Eintritt (Kinder von 3 bis 15 Jahren 1,60 €, Erwachsene 5,45 bis 6,20 €) und Leihschlittschuhe (2,50 bis 6 €) auch die großzügig angelegte Garderobe und die gute Erreichbarkeit mit der Straßenbahn Nr. 65. Hier kann man nicht nur das Flair der 70er-Jahre genießen, sondern sollte auch in Erwägung ziehen, einen der tollen, wirklich fundierten Eislaufkurse zu absolvieren.
6,8 Punkte

Freifläche/Albert-Schultz-Eishalle
22., Attemsgasse 1
Mo-So 9-20, Mi 9-21.30 Uhr; bis Mitte März

Unweit der U1-Station Kagran liegt die Albert-Schultz-Eishalle mit ihrer etwas versteckten 1800 m² großen Eisfläche unter freiem Himmel. Auch hier gibt es alternativ die Publikumshalle, in die man während der täglichen Eisaufbereitungen gut ausweichen kann. Die gestaffelten Eintrittspreise (Erwachsene 5,30 bis 6,10 €, Kinder bis 15 Jahre 2,70 bis 3,40 €) entsprechen dem Preisniveau der Stadt.

Die gut in Schuss gehaltenen Leihschuhe um 6 € überzeugen unsere Jury - im Gegensatz zu der Tatsache, dass die Garderoben für den Outdoorbereich nur in blauen Baucontainern untergebracht sind. Die Gastronomie kommt mit Wurstsemmel & Co über den wenig attraktiven Buffetcharakter nicht hinaus. Bei der Eisdisco, die am Samstag über die (Eis-)Bühne geht, begeistern sich einige hundert Hitparaden-Liebhaber; da es aber die alternative Halle gibt, kommt es hier zu keinem Gedrängel auf dem Eis. Wer während der Mittagspause vorbei schaut, hat vielleicht Glück wie wir und muss die Fläche mit nur wenigen anderen Eisläufern teilen.
5,7 Punkte
(DER STANDARD, Printausgabe vom 11./12.2.2006)


 

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.
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