Spam unser

23. Februar 2006, 10:10
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Yahoo und AOL setzen künftig auf Bezahlung für "echte" Mails - Ist das der richtige Weg, fragen sich die Personal Tools

Spam unser, der du täglich zumüllst unsere Mailbox: Weiche. Yahoo und AOL haben uns erhört, ob sie helfen können (abgesehen vom geringen AOL-Verbreitungsgrad in heimischen Mailboxen) ist zwar fraglich, aber einen Versuch wert. Die beiden Mailprovider bieten Absendern von Mail an, die Zustellung gegen eine geringe Gebühr (0,25 bis ein US-Cent) zu garantieren.

Verkehrt herum

Aus Empfängersicht wird damit zunächst das Pferd am falschen Ende aufgesäumt - jemand zahlt, damit er garantiert in unserer Mailbox landet. Was haben die Empfänger davon? Nun, Spammer (nicht ident mit Absendern von Werbung, obwohl beides oft zum Verwechseln ähnlich ausschaut) zahlen nichts - sie suchen nach ungeschützten Mailservern, die sie zum millionenfachen Versand ihrer Anbote für die Vergrößerung menschlicher Körperteile (männlich wie weiblich) bis zum Glück für eine Nacht oder das ganze Leben missbrauchen können.

Versand

Wenn nun "legitime" Mailversender für Versand bezahlen, dann können Filter zum Eliminieren von Spams schärfer wirken - weil die Mailgebühr ein Passierschein für bezahlte Mail ist. Allerdings: "Berechtigt" aus Empfängersicht schaut anders aus; vieles, was "legitim" im technischen Sinn ist nervt trotzdem immens.

Die globalen Zahlen sprechen trotzdem für den Versuch. Nach jüngsten Schätzungen macht Spam 60 Prozent des Mailverkehrs aus (da manche weniger und manche mehr kriegen, entspricht das nicht dem subjektiven Bild), und nur rund ein Fünftel davon werden von Mailfiltern der Provider blockiert. Wenn diese Filter effektiver werden, so die Yahoo-AOL-Milchmädchenrechnung (die auf jeden Fall ein paar Millionen für die Provider abwirft), dann ist der Nettoeffekt für Mailuser positiv.

Versuchsaufbau

Vorschläge für Gebühr als Allheilmittel gegen Spam gibt es seit Langem, das jetzige Schema ist der erste großflächige Versuch. Probleme sind zu erwarten: Denn die Gefahr ist, dass in schärferen Filter nicht nur Massenpost, sondern auch solche Mails wie Flug- oder Einkaufsbestätigungen hängen bleiben, die für Filter wie Spam aussehen.

Plage

Das Spamproblem wird uns allen solchen Versuchen zum Trotz noch lange plagen, weil die Gene des Internets als offenes Netz davor nicht hinreichend schützen können - anders als beim Handynetz, das durch die individuelle Registrierung jedes einzelnen Benutzers (ohne Identifizierung kein Zugang zum Netz) besser vor Missbrauch geschützt ist.

Software

Auf der persönlichen Ebene kann man einen Teil der Plage durch Spamfilter der Mailprogramme (z. B. Spamkiller von McAfee, das ähnlich wie ein Virusschutz wirkt und laufend aktualisiert wird, oder Mac-Mail sind erstaunlich effiziente Werkzeuge) verkleinern. Für den Rest hilft nur Gelassenheit und der flinke Finger zur Löschtaste. Auch soziale Technik - Spam auf einen Blick zu erkennen und sofort zu löschen - ist eine "technische" Lösung, und sie reduziert auch bei vollen Mailboxen das Spamproblem auf ein paar Minuten am Tag. Wer diese Zeit nicht aufbringen will, dem bleibt ja immer noch die gute alte Post - dort soll ja das Spamproblem angeblich durch Gebühr gelöst sein. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 11./12.02.2006)

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