Kerngeschäft: Geld verdienen

24. Mai 2006, 10:12
posten

Post.Immobilien macht bereits rund ein Drittel ihres Geschäftes mit externen Kunden. Geschäftsführer Martin Kutschera spricht im STANDARD-Gespräch über neue Projekte

STANDARD: Experten streiten, ob die Immobilien der Post nun mehr oder weniger als eine Milliarde Euro wert sind. Was stimmt denn nun?

Kutschera: Das müssen Sie den Eigentümer fragen. Wir sind ein Dienstleister, der unter anderem im Auftrag der Post Immobilien bewirtschaftet. Insgesamt sind das 1,6 Millionen Quadratmeter Gebäudefläche, davon stehen rund zwei Drittel im Eigentum der Post AG, der Rest entfällt auf dritte Auftraggeber wie beispielsweise Versicherungen.

STANDARD: Damit bewegen Sie sich aber von Ihrem ursprünglichen Kerngeschäft, der Bewirtschaftung der posteigenen Immobilien, immer weiter weg.

Kutschera: Kerngeschäft ist, womit Geld verdient wird. Wir decken ja alle Dienstleistungsbereiche rund um Immobilien ab – von der Liegenschaftssuche bis zur schlüsselfertigen Errichtung und natürlich der Immobilienbewertung...

STANDARD: ...da haben Sie doch garantiert auch eine Bewertung der posteigenen Immobilien durchgeführt.

Kutschera: Das müssen Sie unseren Eigentümer fragen.

STANDARD: Sie setzen seit einiger Zeit auch Immobilienprojekte um, die überhaupt nichts mehr mit der Post AG zu tun haben und wo sogar Liegenschaften am freien Markt angekauft werden.

Kutschera: Ja, aber wir nehmen dabei selbst kein Geld in die Hand. Derartige Projekte – wie beispielsweise kürzlich die beiden Projekte Bahnhofsvorplatz und Sterneckstraße in Salzburg – werden von Projektpartnern finanziert, wir bringen dabei nur unsere Dienstleistungen und natürlich unsere Marktkontakte ein. Wir haben seit zwei Jahren eine eigene Akquisitionsabteilung, die sich darauf spezialisiert hat, Liegenschaften zu akquirieren, Projektpartner und Nutzer zu finden. Das ist unsere klare Expansionsstrategie...

STANDARD: ...die Sie ja neuerdings auch ins Ausland führt. Wie kann es sein, dass ein Tochterunternehmen der Post Geld für Immobilienprojekte im Ausland riskiert?

Kutschera: Genau das tun wir eben nicht. Investitionen werden ausschließlich von Projektpartnern oder Kunden getätigt. Derzeit sind wir im Übrigen nur in der Slowakei tätig, wo wir gemeinsam mit einem lokalen Partner im Auftrag eines künftigen Nutzers ein Logistikprojekt realisieren.

STANDARD: Sie haben keine weiteren Auslandspläne?

Kutschera: Konkrete Auslandsaktivitäten gibt es sonst keine, wir führen aber Gespräche für Deutschland und beobachten die Ukraine, Bulgarien und Rumänien.

STANDARD: Mit welchem Ziel?

Kutschera: Wir würden in diesen Ländern unser Dienstleistungsspektrum mit Partnern gemeinsam anbieten. Es gibt bereits zwei konkrete Interessenten aus Deutschland, deren osteuropäische Immobilien wir betreuen würden. Wir unternehmen zunächst einmal versuchsweise die ersten Schritte im Ausland, für eine klar definierte Strategie ist es noch zu früh.

STANDARD: Was sind die beiden spektakulärsten Immobilienprojekte in Österreich, die Sie derzeit vorbereiten?

Kutschera: Einerseits erwarten wir die Beauftragung für ein Wohnbauprojekt mit 30 bis 35 Millionen Euro Investment beim Wiener Westbahnhof, andererseits steht der Auftrag für die Abwicklung von rund 4000 Quadratmeter Bürofläche in der Innsbrucker City durch einen privaten Investor möglicherweise bevor. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.2.2006)

Das Gespräch führte Gerhard Rodler.
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