Allerlei Barrieren

18. Juli 2007, 10:31
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In Europa stehen einander Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit gegenüber

In Europa stehen einander Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit gegenüber. Bei den unter 25-Jährigen liegt die Arbeitslosenquote im Durchschnitt bei 18 Prozent. Zu diesem Paradoxon kommt, dass durch die Globalisierung zwar die Arbeit mobiler geworden ist, nicht aber die Arbeitskräfte. "Mangel an Mobilitätskultur", sagt Vladimír Spidla, Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit.

Er hat 2006 zum "Europäischen Jahr der Mobilität der Arbeitnehmer" erklärt. Denn: Die berufliche Mobilität in Europa ist so niedrig wie vor 30 Jahren: 1,5 Prozent der Europäer leben in einem andern Mitgliedsland als ihrem Herkunftsland. Zu wenig richtige Arbeitnehmer sind am richtigen Platz – dort, wo sie eben gebraucht würden.

Tief verwurzelte Bäume werden wohl schwer zu verpflanzen sein. Trotzdem will der Kommissar mit "Mobilitätsfahrten" und europaweiten Kampagnen möglichst viele erreichen. Nationale Steuer-, Rechts- und Umzugshürden thematisieren. Chancen kommunizieren, aufklären, Diskussionen in Gang bringen. Jobmessen und eine große Palette an regionalen Veranstaltungen sollen bei Jungen mobilitätsstiftend wirken.

Das ist ein längst überfälliger Schubs. Kontraproduktiv ist allerdings die jüngste Verlängerung der Übergangsregelungen für die neuen EU-Mitglieder. Das Kontingent-Argument für die "schwierigen Arbeitsmärkte" schlägt da nicht, denn Unternehmen können im Zuge ihrer viel gepriesenen Ostexpansion kaum ihre Ostkräfte zwecks Weiterbildung nach Österreich holen.

Einseitige Mobilität ist ein Widerspruch in sich und wird nicht zum Kulturwandel führen. (Der Standard, Printausgabe 11./12.2.2006)

Von Karin Bauer
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