Plazebo nicht gleich Plazebo

20. Februar 2006, 15:51
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Unterschiedliche Wirkung ist laut Studie der Universität Harvard zufolge von der Darreichungsform abhängig

London - Der Effekt von eigentlich wirkungslosen Scheintherapien ist nicht immer gleich: Eine US-Studie zeigt, dass Patienten die Wirkung von Plazebos abhängig von ihrer Darreichungsform unterschiedlich einschätzen können.

Mediziner der Universität Harvard behandelten 270 Menschen mit chronischen Armschmerzen. In der ersten Phase wurde eine Hälfte zunächst per Scheinakupunktur behandelt, die übrigen erhielten ein Scheinmedikament. Nach zwei Wochen fanden die Forscher keinen Hinweis auf eine unterschiedliche Wirkung der beiden Behandlungsarten.

Beeinflusste Wahrnehmung

In der zweiten Phase der Studie wurden jedoch die beiden Behandlungsarten vertauscht. Anschließend stuften diejenigen Patienten, die nun per Scheinakupunktur behandelt wurden, ihre Schmerzintensität im Vergleich zu den anderen Teilnehmern als geringer ein. Medizinische Messungen lieferten jedoch keinen Hinweis auf unterschiedliche Behandlungserfolge in beiden Gruppen.

Auch die Aufklärung über die Nebenwirkungen der beiden Therapien beeinflusste laut einem Bericht des "British Medical Journal" die Wahrnehmung vieler Patienten. Jeder vierte Scheinakupunktur-Empfänger berichtete von zeitweilig erhöhter Empfindsamkeit der Arme, und fast jeder dritte Patient, der ein Scheinmedikament nahm, klagte über Müdigkeit und Mundtrockenheit. (APA/AP)

  • Unterschiedliche Wahrnehmung, Einstufung, Behandlungserfolge: Plazebos wirken nicht gleich.
    bild: standard

    Unterschiedliche Wahrnehmung, Einstufung, Behandlungserfolge: Plazebos wirken nicht gleich.

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