Die Zukunft des Sherry

12. Februar 2006, 17:30
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César Saldaña im Gespräch mit Klaus Hackl über mögliche Zukunftsszenarien in Teil 12

Hackl: Obwohl der Sherrymarkt jedes Jahr nach unten geht, gibt es auch neue Bodegas am Markt, wie z. B. Valdivia. Wie sehen Sie persönlich die Zukunft des Sherry?

Saldaña: Die Zukunft des Sherry, soweit ich sie sehe? Obwohl der Markt jedes Jahr nach unten geht, sehen sie, wenn sie ins Detail gehen, dass nur ein Teil des Marktes verschwindet, der Markt des Billigsherry, der Handelseigenmarken. Sherry verschwindet in diesem Segment aus den Regalen. Ich denke der Sherryboom Mitte der 70iger Jahre wurde ausgelöst durch den Eintritt von Sherry in dieses Segment als billige Alternative zu Tafelweinen, denken sie an Holland, Deutschland, Großbritannien – und wir orientierten uns daraufhin leider auf Kosten der Qualität auf Volumen, auf Supermärkte, auf Fassware. Und wir haben davon ein paar Jahre auch sehr gut gelebt. Aber das ist und war nicht die Art von Sherry, auf die Sherry seinen Ruhm aufbaute.

Wie sehe ich nun die Zukunft? Ich sehe in meinen Statistiken wie gesagt, dass all die Weine, die an die großen Handelsketten geliefert werden, zurückgehen und Sherry dort aus den Regalen verschwindet und durch billigere Weinen aus Übersee ersetzt wird. Aber ich sehe auch, dass Qualitätssherry in allen anderen Segmenten wie Fachgeschäften, in der Gastronomie und in Premiumsupermärkten stetig zulegt. Amontillado zum Beispiel um 6 %, und auch Olorosos und PX legen zu. Finos und Manzanillas hingegen nicht – warum? Weil sie leider auch für Handelsmarken verwendet werden. Und wenn sie die Handelsmarken anschauen, was im Großen und Ganzen verkauft wird ist Fino/Manzanilla, Medium und Cream – das sind die drei Stile, um die es hier geht. Fino- und Manzanilla-Markenweine wachsen sehr gut, aber gesamt betrachtet gehen sie zurück, da die Billigschiene, die die Menge ausmacht, aus den Regalen verschwindet.

Wann dieser Rückgang ein Ende haben wird? Ich weiß es nicht, aber ich glaube nicht, dass wir schon die Talsohle erreicht haben. In welchen Mengen sich Sherry in Zukunft verkaufen lässt, kann ich auch nicht sagen, aber Billigsherry wird sukzessive durch Tafelwein ersetzt werden, aber wenn wir clever sind, können wir einen Teil dieses Tafelweins erzeugen, der den Billigsherry ersetzt. Das ist mit ein Grund, warum ich persönlich, aber das ist meine sehr persönliche Meinung, ein Szenario vor mir sehe, in dem man die Vinos de la Tierra de Cadiz, die hier produziert werden, mit Sherry in Verbindung bringt, vielleicht unter einem Namen wie Vinos del Marco de Jerez oder etwas ähnlichem. Das würde einerseits eine positive Verbindung schaffen, aber andererseits eine klare Trennlinie ziehen zu Oloroso, Amontillado, Fino etc., den traditionellen Sherries eben, denen die Zukunft gehört.

Und Tafelweine sind auch billiger herzustellen - das ist eines der Probleme hier - sie brauchen selbst für den billigsten Sherry drei Jahre Reifezeit, das ist eine lange Zeit und kostet Geld. Und wenn sie mit Weinen aus anderen Regionen der Welt, die nicht gereift sind, im Wettbewerb stehen, werden diese immer billiger im Regal stehen als Sherry. Wir sind einfach in keiner guten Position, um ihm Billigpreissegment mitzumischen, wir werden diesen Markt ganz einfach verlieren. So bleibt uns letztlich nur, uns auf das Qualitätssegment zu konzentrieren, wo auch die Wertschöpfung stimmt. Das wird bedeuten, dass wir statt 85 Mio. Flaschen, die wir derzeit verkaufen, vielleicht nur mehr 50 Mio. verkaufen, aber wo ist das Problem? Klar, wir hätten dann einen Kapazitätsüberschuß, aufgrund der Dimensionen unserer Bodegas, Kellereianlagen etc. und wir müssen dafür für Alternativen suchen, die uns wieder Volumen bringen, aber wir müssen das Herzstück des Sherry und seine Qualitäten bewahren. Wir haben schon einige Alternativen, die gut funktionieren wie Sherryessig, Tafelweine und Brandy. Suchen wir nach weiteren!

Ok, wenn ich nur auf die Zahlen nach Volumen schauen würde, sollte ich mir einen anderen Job suchen, aber im Volumen sehe ich nicht die Zukunft. Wir müssen mit der Situation umgehen, auch wenn sie sehr letztlich doch sehr plötzlich kam. Aber wenn Leute zu mir sagen, es ist nicht mehr so wie es früher war, kann ich nur antworten, ja es ist nicht mehr so, aber wir verkaufen noch immer mehr als die doppelte Menge im Vergleich zu den Jahren als Sherry seine Reputation erlangte. Wir haben damals nur 20 Mio. Flaschen verkauft, aber es waren große Weine, die gesucht waren und gut bezahlt waren. Sie können sagen das ist Schönrederei, aber ich denke neben all den Schwierigkeiten gibt es Teile der Industrie, sie haben vorher Valdivia erwähnt, aber es gibt noch viele andere Beispiele wie Bodegas Tradicion etc., die viel Geld in Sherry investieren und genau wissen wo sie hinwollen und ihre Zukunft in der Qualität sehen, mit der sich auch Geld verdienen lässt. Und das ist auch die Zukunft, wie ich sie sehe.

Hackl: So gesehen war es also gar nicht schlecht, dass die Ernte 2005 so gering ausfiel und etwas Druck vom Markt nahm, im Sinne der Reduzierung der Lagerbestände etc.?

Saldaña: Jein. Für die Reduzierung der Lager ja, aber das Lagerbestandsproblem betrifft ja nur einen Teil der involvierten Beteiligten, am Schlimmsten war die Situation sicherlich für die Traubenproduzenten, die teilweise immense finanzielle Einbussen erlitten. In der Vergangenheit wurde einfach jede Menge vom Markt absorbiert, was mittlerweile nicht mehr so ist, noch dazu hatten wir die vier Jahre davor aufgrund der perfekten Bedingungen unglaublich hohe Erntemengen, was bereits zu sehr hohen Lagerbeständen in den Bodegas führte und den Bedarf zusätzlich senkte.

Hackl: Inwieweit brachte das Auswirkungen auf die Traubenpreise?

Saldaña: Keine. Eine der wichtigsten Bedingungen für jede Art von Industrie ist Beständigkeit. In diesem Sinne wurde vor vier Jahren der „plan sectorial“ ins Leben gerufen, in dem alle in diesem Sektor involvierten versuchten, gewisse Parameter zu fixieren – einer davon sind die Traubenpreise. Normalerweise hätten in den Jahren mit den hohen Erntemengen die Preise fallen müssen, aber sie taten es nicht, auf Grund des „plan sectorial“. Umgekehrt hätten sie letztes Jahr steigen müssen, aber sie taten es aufgrund der Vereinbarung nicht – gut für die Bodegas, aber schlecht für die Traubenproduzenten.

Man könnte die Preise natürlich auch sich selbst überlassen, aber ich glaube das wäre in dieser ohnehin schon angespannten Situation sehr riskant – für beide Seiten, da es immer gut ist seine Kosten kalkulieren zu können, sie können ja schlecht je nach Traubenpreis ihren Preis im Regal festlegen.

  • Sitz des Consejo Regulador in Jerez
    foto: klaus hackl

    Sitz des Consejo Regulador in Jerez

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