Tove Jansson: "Die Mumins - Eine drollige Gesellschaft"

9. Februar 2006, 20:03
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Vor zweiundvierzig Jahren haben wir die ganze Bande kennen gelernt: Snork, das Snorkfräulein, der Schnupferich ...

Vor zweiundvierzig Jahren haben wir sie kennen gelernt. Mit der Münchner Abendzeitung flatterten uns diese wundersamen, lustigen Trolle ins Haus. Als Bilderfortsetzungsgeschichte. Sie brachten uns dazu, die Zeitung sofort zu abonnieren. Damals waren wir noch eine intakte Familie: Vater, Mutter, kleine Tochter und die Omama, wir alle verliebten uns in sie und in die abenteuerlichen Geschichten und schönen Zeichnungen aus dem Mumintal im fernen Finnland und in seine neugierigen, merkwürdigen, stets zu Streichen aufgelegten Troll- und Tier-Bewohner.

Alle liebten wir natürlich Mumin, die Hauptperson. Doch jeder von uns hatte so seine besonderen Vorlieben. Omamas Lieblinge waren Muminmutter und Muminvater. Auf deren vielen Reisen den Fluss hinunter, sammelten sie alle Wesen auf, die krank, bedürftig oder einsam waren, und nahmen sie mit ins Muminhaus. Der Vater hatte eine besondere Vorliebe für den griesgrämigen Hemul, einen schon älteren Troll, einen Botanikertroll, der jedoch keine Freude mehr am Leben hat, weil seine Briefmarkensammlung komplett ist. Auch für die Hattifnatten konnte er sich begeistern. 700 kleine Gespenster, die aussehen wie Kartoffeltriebe, die sich bei Gewitter mit Elektrizität aufladen und leuchten.

Die kleine Tochter interessierte sich am meisten für den Hut des bösen Zauberers. Mumin hatte den Hut auf einer Bergspitze gefunden und mit nach Hause gebracht. Da er aber niemandem passte, drehte man ihn um, Öffnung nach oben. Er sollte dann eben als Papierkorb dienen. Als Erstes landeten die Eierschalen von Mumins Frühstückseiern darin, und siehe da, sie verwandelten sich nach und nach in kleine flauschige Wölkchen, die ganz langsam zur Tür hinaus auf die Veranda schweben.

Die ganze Bande: Snork, das Snorkfräulein, der Schnupferich, das Schnüferl und allen voran natürlich Mumin, setzten sich jeder auf eine Wolke. "Hoppla, hoppla", sagt das Schnüferl, und die Wölkchen gehorchen, schweben mit ihrer Last davon. Ein Riesenspaß! Den wollte die kleine Tochter auch haben, sie zerschlug gleich fünf Eier in einen wunderschönen schwarzen Hut der Omama, den sie zum Zauberhut ernannte. Nun ja wir hatten alle Humor, die kleine Tochter wurde getröstet, der Hut allerdings war hin. Ja und ich, also die Mutter? Ich liebe sie heute noch: die "Kleine Mü"!

Wir haben damals die Cartoons aus der Zeitung ausgeschnitten, und uns ein Buch daraus gemacht. Haben Sie Kinder? Haben Sie Humor? Haben Sie Lust auf vergnügliche Abenteuer? Die Muminbücher von Tove Jansson jedenfalls, die sie auch so wunderschön illustriert hat, gehören zu den schönsten der Welt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2006)

Von Rosemarie Fendel
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    foto: sz-bibliothek
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