Kommentar: Auto-Automatisierung

28. Juni 2006, 16:26
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Die Automatisierung ist den ÖBB nicht vorzuwerfen, wohl aber die mangelnde interne und externe Kommunikation

In der guten alten Zeit, so vor circa zehn, fünfzehn Jahren, war Zugfahren noch recht einfach. Man ging zum Schalter, verlangte eine Fahrkarte - entweder eine "Ganze" oder eine "Halbe" - und stieg in den Waggon. Und wenn die Zeit für den Kauf nicht mehr ausreichte, erstand man das Ticket beim Schaffner. Ja, so war's damals, ehe die Bundesbahnen ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen geworden sind.

Mittlerweile sind die Schalter außerhalb der Großstädte geschlossen, die Karte beim Schaffner kostet bis zu 60 Euro "Kontrollgebühr" und auch vier Jahre nach Einführung der Fahrkartenautomaten besteht noch immer ziemlicher Bedarf für Unterstützung bei deren Bedienung. Nicht nur bei den Senioren, auch jüngere Erstbenützer stehen teils ratlos vor den Maschinen.

In Wahrheit ist es aber ungerecht, nur auf die ÖBB hinzuhauen. Schließlich sind sie nicht die einzigen, die auf Automaten statt Angestellte aus Fleisch und Blut setzen. An die Flaschenpfandautomaten im Supermarkt haben wir uns ja ebenso gewöhnt wie an die Tonbandstimmen, die uns am Telefon hoffentlich via Tastendruck zum gewünschten Gesprächspartner leiten. Und die Vorstellung, für Bargeld extra während der Öffnungszeiten auf die Bank zu gehen, erscheint gut 20 Jahre nach dem Auftauchen der Bankomaten absurd.

Die Automatisierung ist den ÖBB nicht vorzuwerfen, wohl aber die mangelnde interne und externe Kommunikation. Wenn Automatenschulungen medial versprochen werden, aber keiner weiß, wo die stattfinden, wenn Schaffner ahnungslos sind, ob die "Kontrollgebühr" schon kassiert wird, wenn das beworbene Handyticket von Mobilfunkbetreiber zu -betreiber unterschiedlich funktioniert, ist es kein Wunder, wenn der Kunde lieber doch auf die Konkurrenz - sprich Auto - ausweicht. (DER STANDARD - Printausgabe, 10. Februar 2006)

Von Michael Möseneder
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