Wissbegierige Automatenschüler

28. Juni 2006, 16:26
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Seit Mittwoch bieten die Bundesbahnen Einschulungen für die Bedienung ihrer Fahrkartenautomaten an

Ein Service, der nach den Protesten der vergangenen Tage von den Kunden gerne genutzt wird.

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Wien – Runde um Runde macht Stefan Fritz um die in zwei Vierreihen dastehenden Maschinen. Und beobachtet, ob jemand ratlos auf deren Bildschirm tippt. Dann bietet er Hilfe an, denn der 21-Jährige ist "Automateneinschuler" der ÖBB. An diesem Mittwochnachmittag soll der Student den Fahrgästen im Wiener Westbahnhof die Scheu vor den vor vier Jahren eingeführten Geräten nehmen.

Dass er schon den ganzen Tag in ÖBB-Outfit auf verschiedenen Wiener Bahnhöfen steht, liegt an den "Selbstbedienungsstrecken." Davon gibt es, wie berichtet, 16 in Österreich. Und seit 1. Februar müssen Fahrgäste ohne Ticket dort 60 Euro Kontrollgebühr für den Fahrkartenkauf beim Schaffner zahlen.

Mit den darauf folgenden Protesten haben die Bundesbahnen aber wohl nicht gerechnet. Defekte oder fehlende Automaten, umständliche Bedienung, ausbleibende Informationen: Die Liste der Passagierbeschwerden ist lang. Als Reaktion stehen in den größeren Städten Ostösterreichs nun im ÖBB-Auftrag Menschen wie Herr Fritz auf den Bahnhöfen und bieten Automatenschulungen an.

Ein Angebot, das dankbar angenommen wird. "Ich schätze, ein Viertel bis ein Drittel der Leute ist aktiv mit Fragen auf mich zugegangen", rekapituliert Fritz. Manche haben erstmals die Touchscreen gedrückt. "Die waren dann eigentlich immer überrascht, wie einfach das ist."

Die blonde Dame, die nach Kirchberg in Tirol will, kämpft hingegen ganz ordentlich. Sie vertippt sich beim Namen, erkennt dann, dass sie irrtümlich den Ort als Start- statt Zielpunkt gewählt hat und muss schließlich noch bei ihrem Mitreisenden per Handy anfragen, welche Art von Vorteilscard dieser besitzt.

Schwieriges Eintippen

Wie überhaupt das Eintippen der Destinationen oft Schwierigkeiten bereitet. Eine ältere Frau will N-E-U drücken, streift aber zu nahe am V an, sodass N-E-V am Display steht. "Jetzt muss ich wieder ganz neu anfangen?", fragt sie verunsichert, Automateneinschuler Fritz kann sie beruhigen – und zeigt ihr die Löschtaste. Ein anderer Pensionist ist überrascht, dass man den Zielort nicht ausschreiben muss, sondern vom Computer Vorschläge geliefert bekommt.

Verbesserungsmöglichkeiten gesteht auch Fritz ein. "Man könnte in manchen Fällen die Routenbeschreibung besser machen", meint er. Den Vorschlag, dem Automaten beizubringen, auch SANKT statt nur ST. als Eingabe zu akzeptieren, notiert er ebenfalls. Das Problem, dass die Geräte für die Bezahlung kleinerer Fahrpreise 20-Euro-Scheine nicht akzeptieren, sei dagegen nicht so leicht zu lösen: Da es Retourgeld nur in Münzen gibt, wäre der Automat bald wechselgeldlos.

Neben Fragen kann Fritz an diesem Abend aber auch Erfolge verbuchen. Etwa wenn der britische Tourist, der nach Windischgarsten will, erfreut "that's easy" feststellt, nachdem ihm der "Einschule" die richtigen Tasten gedrückt hatte. (Michael Möseneder, DER STANDARD – Printausgabe, 10. Februar 2006)

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ÖBB
  • Wenn man weiß, wie es geht, sind die Fahrkarten der ÖBB ganz einfach zu bedienen, verspricht der "Automateneinschuler" Stefan Fritz (re.) am Wiener Westbahnhof.
    foto: standard/christian fischer

    Wenn man weiß, wie es geht, sind die Fahrkarten der ÖBB ganz einfach zu bedienen, verspricht der "Automateneinschuler" Stefan Fritz (re.) am Wiener Westbahnhof.

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