Finanzplanung verschoben

13. März 2006, 08:47
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Neben Goldmann und Wehinger wird künftig auch Cheffinanzer Söllinger Personen­verkehr mitlenken - Zustimmung zur mittelfristigen Finanzplanung versagt

Wien - Der Personenverkehr der ÖBB, das Aushängeschild der Bahn schlechthin, wird künftig von einem Dreiervorstand gelenkt. Neben Wilhelmine Goldmann und Stefan Wehinger, die seit einem beziehungsweise seit knapp zwei Jahren für den Nah- und Fernverkehr der Bahn zuständig sind, zieht jetzt auch noch ÖBB-Finanzchef Erich Söllinger in den Vorstand des Personenverkehrs ein. Der Aufsichtsrat der Personenverkehrsgesellschaft hat am Donnerstag grünes Licht gegeben.

Mittelfristige Finanzplanung vertagt

Der Beschluss übe die mittelfristige Finanzplanung des Gesamtunternehmens - der eigentliche Gegenstand der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung - wurde vertagt. In dem Zahlenwerk, das den Aufsichtsräten vorgelegt wurde, soll es unvollständige Angaben gegeben haben.

Beschlossen wurde dagegen der Erwerb von 23 luxuriösen Siemens Fernverkehrszügen ("Rail Jets"). Diese werden etwa 280 Mio. Euro kosten und sollen ab 2008 schrittweise auf die Schiene gestellt werden. Das Gesamtinvestment beläuft sich auf rund 280 Mio. Euro. Zehn der 23 Luxuszüge, die alle Stückeln spielen sollen, werden auf der Westbahn zum Einsatz kommen.

Schifffahrt verkauft

Das Kontrollgremium der ÖBB-Holding segnete darüber hinaus auch den Verkauf der Wolfgangsee-Flotte, die aus sechs Motorschiffen besteht, an die Salzburg AG ab.

Seine Funktion als Cheffinanzer in der ÖBB Holding soll der neu bestellte Personenverkehrsvorstand Söllinger bis auf weiteres beibehalten. Er dürfte später auch Vorstand der ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) werden, hieß es.

Geldsorgen

Söllinger, 1963 in Wels geboren, ist seit 2003 bei den ÖBB und war vorher für den Energie- und Automationstechnik-Konzern ABB tätig. Beobachter sehen die Doppelfunktion von Söllinger als Indiz dafür, dass der Personenverkehr wieder enger an die Leine genommen werden soll.

Dem Vernehmen nach fehlt im Personenverkehr an allen Ecken und Enden Geld, um das mit der Übernahme des Postbus in eine neue Dimension gewachsene Verkehrsdienstleistungsunternehmen entsprechend gut zu positionieren. Wilhelmine Goldmann, vormals Chefin des Postbusses und seit Jänner 2005 als Nachfolgerin des glücklosen Rüdiger vorm Walde an der Spitze des gesamten Personenverkehrs stehend, hat im vergangenen November mit der Aussage aufhorchen lassen, die ÖBB seien "ein Sanierungsfall". Seither stimmt auch die Chemie mit dem Chef der ÖBB-Holding, Martin Huber, nicht mehr so wie früher, wissen Insider.

Probleme auf Regierungsseite

Probleme gibt es auch auf Regierungsseite mit den ÖBB. Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka (VP) bemüht sich seit Monaten, den Ländern eine Nahverkehrsreform schmackhaft zu machen. Diese müssten im Endeffekt mehr Geld in die Hand nehmen - und sträuben sich. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2006)

  • Die Österreichischen Bundesbahnen wollen im Güterverkehr Brücken spannen, vor allem in Richtung Osteuropa, und in Österreich mit neuen Zügen punkten.
    foto: standard/urban

    Die Österreichischen Bundesbahnen wollen im Güterverkehr Brücken spannen, vor allem in Richtung Osteuropa, und in Österreich mit neuen Zügen punkten.

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