Die Mütter dürfen jetzt stillen

27. März 2006, 15:32
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Ein Bericht in Wien über faire Blumenarbeit in Ecuador und was den Unterschied am anderen Ende der Welt ausmacht

Wien – Der Opernball wird heuer wieder nicht mit fair gehandelten Rosen vom Flower Label Programm (FLP) geschmückt. So etwas ist leicht und schnell entschieden.

Was den Unterschied am anderen Ende der Welt ausmacht, berichtete am Donnerstag in Wien aber eine, die das genau weiß: Die 25-jährige Rosa Paulina Vilca Chiguano ist seit zehn Jahren Blumenarbeiterin in Ecuador. Vor acht Jahren wurde ihr Betrieb umgestellt und zertifiziert.

Der Unterschied

"Es war sehr hart", berichtet Chiguano, "keinerlei Schutz, kein Recht auf Arztbesuche, kaum Lohn, 11 Stunden Arbeit und kein Tag frei." Seit der Umstellung gibt es nun fairen Lohn, der sogar rechtzeitig ausbezahlt wird, Überstunden werden abgegolten, Schwangere werden untersucht. Als deutliche Verbesserung gibt Chiguano an, dass jungen Müttern nun auch Zeit zum Stillen eingeräumt wird.

Um mehr Betriebe zum Umsteigen zu bewegen, ist neuerdings auch die Organisation Südwind auf beiden Seiten aktiv: Vor zwei Tagen gab es eine Demonstration auf dem Flughafen von Quito in Ecuador – wo im Umfeld im Hochland rund 100.000 Menschen – davon 80 Prozent Frauen mit Kindern – in Blumenfarmen arbeiten.

Interesse an der Umstellung

Gleichzeitig fand in Wien in Ober St. Veit eine Demonstration vor der Fleurop-Zentrale statt. "Der Geschäftsführer ist zwar im Valentinstag-Stress, war aber sehr interessiert an der Idee einer Umstellung", berichtet Südwind-Geschäftsführer Helmut Adam.

Laut Anja Appel vom FLP gibt es in Österreich rund 80 Blumenhändler, die FLP-Rosen anbieten. Oder man fragt nach: "Im Prinzip kann jeder Händler diese Blumen im Großhandel beziehen." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2006)

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    Kein Recht auf Arztbesuche, kaum Lohn, 11 Stunden Arbeit und kein Tag frei, die Bedingungen sind zuweilen hart.

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