Rassismus, Sexismus und Homophobie bei Online-Rollenspielen

12. Mai 2006, 15:49
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Die Frage nach der "Political Correctness" bei Online-Rollenspielen à la World of WarCraft

In den virtuellen Welten der Online-Rollenspiele können SpielerInnen über grüne Wiesen wandern, Heldentaten vollbringen, ins Immobiliengeschäft einsteigen und vom Verkauf seiner Waren, Grundstück und der erworbenen Fähigkeiten profitieren – auch in der realen Welt. Die SpielerInnen sollen sich in Verbänden sammeln und ihre Fähigkeiten im Kampf gegen Monster gemeinsam einsetzen. Doch was passiert, wenn reale Probleme – wie Rassismus, Sexismus und Homophobie – in die virtuelle Welt Einzug halten?

Gemeinsam statt Alleine

Der Spiele-Entwickler Blizzard hat zu seinem äußerst erfolgreichen Online-Rollenspiel World of WarCraft (WoW) in den allgemeinen Nutzungsbedingungen eigene "Anti-Diskriminierung- Richtlinien". Auch von offizieller Seite wird viel getan, um die SpielerInnen zum gemeinsamen und nicht einsamen Spielen zu bewegen. So können Monster meist nur in einer Gruppe besiegt werden oder auch die kürzlich gelungene Öffnung der von Ahn'Qiraj, durch die Gilde "Armada" auf dem französischen Realm Kael'Thas, verlangte viel Zusammenarbeit und gemeinsame Anstrengungen. (siehe Bild unten)

Homophobie und Fremdenhass

In zahlreichen Foren wird derzeit aber auch über die Schattenseiten in der virtuellen Welt diskutiert. So sehen sich etwa chinesische SpielerInnen großen Anfeindungen ausgesetzt, da man ihnen vorwirft ohnehin nur "Goldfarmer" zu sein. Dies meint, dass sie kein Interesse an einer gemeinsamen Lösung der Quest haben, sondern nur versuchen möglichst viel virtuelles Geld und kostbare Gegenstände in ihren Besitz zu bekommen, die dann gegen echtes Geld verkauft werden. Daher finden sich immer weniger Gilden die bereit wären SpielerInnen aus China aufzunehmen oder mit diesen Missionen zu spielen.

Homophobie

Neben den chinesischen SpielerInnen stehen aber auch WoW-NutzerInnen wegen ihrer sexuellen Vorlieben unter Beschuss. Immer öfter hört man Beschimpfungen und Auseinandersetzungen und auch in den Foren wird immer mehr darüber gesprochen, wie politisch korrekt ein Online-Rollenspiel sein muss. So sind einige SpielerInnen der Meinung, dass es sich ohnehin nur um Ausrutscher einiger pubertierender Spieler handle, die gerade gegen die eigenen Probleme mit ihrer Sexualität kämpfen, während andere strengeres Durchgreifen fordern. Aber es gibt mittlerweile auch Gruppen, die sich outen – als homosexuell oder auch homophob.

GLBT

Auslöser der neuesten Diskussionen war der Eintrag einer WoW-Spielerin, die Mitglieder für ihre Gilde sucht, die sich als "GLBT-firendly" bezeichnete. Sie erhielt dafür eine Verwarnung von Blizzard, die hinter dieser Bezeichnung die Begriffe "Gay, Lesbian, Bisexual und Transgender" sahen und zwar wegen angeblicher "Belästigung aufgrund sexueller Orientierung". Die Spielerin wollte mit ihrer Gilde auch ein entsprechendes Zeichen setzen und nun wird in den Foren eifrig diskutiert: So heit es etwa: "Wenn man eine Gilde hat, die 'Gott hasst Schwuchteln' heißt, verletzt man diese Regel. Wenn man eine Gilde namens "GLBT friendly" hat, verletzt man die gleiche Regel."

Reales Virtuelles ?

Die Realität hat damit die virtuelle Welt eingeholt: Dürfen schwule Orks mit lesbischen Elfen gegen homophobe Zwerge kämpfen? Ist keine Welt auch noch so virtuell vor Rassismus, Sexismus und Verfolgung sichern? Oder sind wir Menschen einfach nur zu dumm um miteinander zu spielen? (grex)

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    screenshot: gp
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