Franz Scharl neuer Weihbischof von Wien

10. Februar 2006, 14:51
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Engagierte sich besonders für fremdsprachige Gemeinden, die ihm auch als Weihbischof weiterhin anvertraut werden

Wien - "Über Frauenpriestertum nachzudenken ist Zeitverschwendung", sagte Franz Scharl am Donnerstag. Es war sein Vorstellungsgespräch vor der Presse. Scharl ist von Papst Benedikt XVI. zum neuen Weihbischof von Wien ernannt worden und dem Vatikan in seinen Grundsätzen treu, wie er sagt. Im Zölibat sehe er persönliche Vorteile, erklärte Scharl, aber für ihn steht sowieso fest: "Die Weltkirche entscheidet."

Scharl, der in früheren Jahren der Kirche eher fern blieb, folgt Ludwig Schwarz nach, der als Diözesanbischof nach Linz berufen wurde. "Eigentlich wollte ich Philosophieprofessor und Yogalehrer werden", erzählt er. Die Liebe zur Philosophie ist ihm geblieben, durch die Yogagemeinschaft fand er auf einer neuen spirituellen Ebene zum Christentum. Durch "tiefe innere Konflikte, die immer sehr stark mit Orten zu tun hatten", wie der Michaela- und der Annakirche, kam Scharl zum Entschluss, Priester zu werden.

Konsequenter Weg

Der 47-Jährige Salzburger begann 1982 sein Theologiestudium im Anschluss an die Studien Völkerkunde und Philosophie, seine ursprünglichen Interessen. "Wenn ich einen Weg gehe, dann soll er konsequent sein", sagt Scharl, und dieser Leitsatz führte ihn nach reiflichen Überlegungen 1986 ins Priesterseminar. "Wenn ich wirklich ins Priesterseminar gehe, gibt es keine Umkehr." Er ging seinen Weg weiter. 1990 wurde er zum Priester geweiht, im Jahr 2000 zum Pfarrer der Gemeinde "Auferstehung Christi" in Wien-Margareten, 2001 zum Dechant für den vierten und fünften Bezirk berufen.

"Viele Menschen aus anderen Ländern leben in unserem Bezirk. Manche haben Vorurteile, und die möchte ich abbauen", erklärt Scharl. Unter seiner Obhut standen die slowenische, afrikanische und lateinamerikanische Gemeinde. Neuankömmlingen bei der Integration zu helfen ist für ihn besonders wichtig. In seinen Aufgaben als Weihbischof wird er den persönlichen Kontakt nicht verlieren: Fremdsprachige Gemeinden, Universitäts- und Krankenseelsorge sowie die Seelsorge für Gefangene werden die Schwerpunkte sein, in denen er Kardinal Christoph Schönborn unterstützen soll.

Scharl wurde kirchenrechtlich für eine Diözese geweiht, die es gar nicht mehr gibt: Er ist offiziell Titularbischof von Gerafi, einem ehemaligen Bischofssitz im heutigen Algerien. Ein Titularbischof fungiert als Helfer in einer anderen Diözese. Die Funktion entstand im Mittelalter, als durch die Islamisierung Bischöfe vertrieben wurden und dann anderswo aushilfsweise Weihehandlungen vollzogen. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2006)

von Stefanie Panzenböck
  • Franz Scharl
    foto: standard/fischer

    Franz Scharl

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