Triumph, isn't it?

18. Juli 2006, 21:16
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Ein traumhafter Ritt mit Prinz Charles, seiner Camilla, der Queen und Guido Gluschitsch - Bike-Vorschau, Teil 4

Kennen Sie das, wenn einen die Vorfreude so packt, dass man selbst des Nächtens davon heimgesucht wird? Ja, schön, dann werden Sie mich ja verstehen.

Bei mir kam das so. Ich rief letzte Woche bei Triumph an, um nachzufragen, ob es sich lohnt, wenn ich mir Hoffnungen mache. Hoffnungen, demnächst die neue Daytona 675 testen zu dürfen. Ich bräuchte nicht zu hoffen, ich kann mich ruhig freuen, vernahm ich aus dem Telefon, die Daytona bekäme ich im Frühjahr.

Der Traum

Letzte Nacht passierte es dann. Ich durfte im Traum schon einmal Platz nehmen auf der supersportlichen Triple. Triumph lud mich auf die Isle auf Man. Vor mir stand eine graue Triumph Daytona 675. Der Anblick der Maske erinnert an das Gesicht einer wilden Katze.

foto: werk

Da Triumph in der heiß umkämpften 600er Supersportklasse, außer im Styling, mit den Japanern nicht ganz mithalten konnte, überlegte man sich ein neues Konzept: 3-Zylinder und Hubraumerweiterung auf 675 Kubikzentimeter.

foto: werk

Die neue Daytona ist schlanker als die Vorgängerin mit dem 4-Zylinder-Motor. Sie schaut wendig und schnell aus. Up-side-down-Gabel, Radialbremsen vorne, 123 Pferdestärken und ein knackiger Bürzel mit Underseat-Pipe. Mir schwirrt durch den Kopf, was bei solchen Gelegenheiten der Pressesprecher von sich geben würde. Aber weit und breit ist niemand zu sehen. Ich stehe allein in einer Boxenstraße auf der Isle of Man. Unweit von der Daytona stehen eine Triumph Scrambler und eine Rocket III Classic. Alle neuen Geräte für 2006 sind da, aber sonst niemand.

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Auf einmal geht der Rollladen von der Box neben mir hoch und heraus kommt Prinz Charles. Er schaut mich finster an als hätte er gerade zum Aufwärmen Easy Rider gesehen. Er setzt sich auf die Scrambler und wirft sie an. Der Paralleltwin mit einem Hubzapfenversatz von 270 Grad knattert durch die beiden edlen Retro-Schalldämpfer.

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Ich fürchte mich nicht. Obwohl die Scrambler mit 865 Kubikzentimeter klar im Hubraumvorteil ist, wird mir Prinz Charles mit seinen 55 PS wohl nicht gefährlich werden. Aus der Box winkt ihm Camilla zu und mir wird schlagartig klar warum Prinz Charles auf Hubraum und nicht Pferdestärken setzt.

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Ich glaube es nicht! Jetzt kommt die Queen. Nein. Doch. Sie setzt sich auf die Rocket III Classic. Sir Elton John zieht ihr galant die Schuhe vom Fuß und hilft ihr in die Boots. Die Stiefel passen perfekt zu den Trittbrettern des 2294-Kubikzentimeter-Monsters. Damit meine ich die 2,5 Meter lange Rocket. Die Queen startet die Rakete und zieht dank 200 Newtonmeter Drehmoment und 140 PS einen schwarzen Strich durch die ganze Boxenstraße.

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Ich setze mich auf die Daytona, ziehe den Helm über, als vor mir Prinz Charles am Hinterrad auf der Scrambler vorbei fährt und gar nicht britische Gesten macht. Während ich mich noch frage, wie er das Retrobike aufs Hinterrad bekommt winkt Camilla ihrem Charles mit seinem Helm, der eigene Ohrenspoiler hat. "That happens every time when he goes for a ride without his helmet."

Die Plauderei kostet mich wertvolle Sekunden. Ich muss die beiden einholen und presche los. Ich fühle mich wohl auf der Daytona. Die Wildkatze aus Hinckley bringt mich dem Königshaus näher. Nach einer Kurve im 3. Gang sehe ich vor mir Prinz Charles. Er hat Traktionsprobleme. Ohne Helm hebt er ab 80 km/h vollends ab, segelt ein Stück, setzt wieder auf, beschleunigt, hebt ab. Ich unterlasse es, ihn in der nächsten Rechts innen zu nehmen und fahr einfach unter ihm durch.

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>>>Die Queen, der Mörtl, das Finale

In jeder Kurve aufgekratzter Asphalt von den Trittbrettern, an jedem Kurvenausgang ein schwarzer Strich von der Rocket. Die Queen scheint es eilig zu haben!

Während ich ihr zu folgen versuche verliere ich mich in Gedanken um den 3-Zylinder-Motor. Mehr Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen als ein 4-Zylinder-Motor, mehr Leistung am Begrenzer als ein 2-Zylinder. Die Zahl 3! Die Lösung zu allen Rätseln der Menschheit? Drei – das ist auch die Anzahl der Karten, die Richie Lugner immer für den Opernball ordert.

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Trotzdem muss man sich mit einer Triumph im Fernsehen nicht genieren. Ich merke, ich sollte mich aufs Fahren konzentrieren. Im Rückspiegel taucht very amused die Queen auf. Sie kommt rasch näher, überholt mich auf einer Zwischengeraden und als ich das Donnern aus den drei Auspuffröhren der Rocket vernehme, weil ich hergebrannt wurde, wache ich auf. Es ist 3:00 Uhr und hoffentlich bald Frühling. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 8.2.2006)

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Triumph

  • Traum und Wirklichkeit: Daytona 675
    foto: werk

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