Asia-House: Blass schaut der Curry wieder aus

11. Februar 2006, 19:28
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Das Bobo-Land um den Karmelitermarkt hat ein neues Restaurant mit erstaunlich durchschnittlichem Asia-Food

Schön ist er, der Karmelitermarkt in Wien-Leopoldstadt - besonders wenn die Sonne scheint, ein paar Buben auf Radeln mit wehenden Peies über den Platz düsen, während mittendrin der Herr Kulturstadtrat und sein Sohnemann einen Fußball malträtieren. Nur, dass am ganzen, großen Platz kein einziger Baum mehr steht, lässt ihn ein bisschen arm aussehen. Beim "Kebapkönig Gülfirat" frieren derweil die Bobos in der Sonne und lassen durchaus anständige Sis Kebabs und Lahmacuns servieren. Bei Nana im "Madiani" geht es Georgisch zu, mit Nuss und Granatäpfeln, und das Frühstück der "Einfahrt" ist sowieso Legende. Im "Contor" gibt es guten Wein günstig, aber wo sollen all die unfrisierten Hedonisten hin, wenn der Abend sich über den Platz legt und die Marktstandeln dicht machen?

Schon wahr, die schlichte "Schöne Perle" ist nicht weit und so eine sichere Adresse für zeitgemäßes Essen der wienerischen Art (1-a-prima-Schnitzel, bester Avocado-Koriander-Kernöl-Salat, sehr gute Tageskarte) hätte wohl jeder gern im Grätzl.

Früher gab es auch das "Bayou", in dem man sich an der besten und sonnigsten Ecke des Platzes durchaus ambitioniert an der Sumpfküche von New Orleans und Umgebung abgearbeitet hat. Das Lokal hieß dann irgendwann "Blue Plate" und widmete sich den Rezepten der US-Einwanderer oder so ähnlich, jedenfalls ein eher diffiziles Konzept.

Nicht anders als beim Chinesen ums Eck

Anfang des Jahres war damit Sense, und nun ist ein "Asia-House" eingezogen. Die fern gereisten Gaumen der Umgebung werden damit eher wenig Freude haben - trotz des freundlichen Service und der auf bunten Postern ausgerufenen "Thailand-Eröffnungswochen". Diese können nämlich nur kurz darüber hinwegtäuschen, dass hier nicht Thais, sondern Chinesen kochen - und zwar kaum anders als sonst wo beim Chinesen ums Eck.

Die mit den Jahren nicht eben gemütlicher gewordene Einrichtung des "Bayou" hat man unverändert gelassen, bis hin zum Raddampfer-Bildchen auf dem Weg zum Klo. Aus den Ventilatorlampen am Plafond brüllt das eisige Licht der Energiesparlampen. Über allem wabert nun der scharfe Atem des Fritters.

Was sonst noch aus der Küche kommt, macht auch nicht wirklich glücklich. Die Tom-Yam-Gung-Suppe (wird hier verstörenderweise auch als Nudelgericht angeboten) ist noch relativ harmlos, es schwimmen sogar ein wenig Koriander und Zitronengras drinnen. Als Spezialität werden die "hausgemachten Bratnudeln" gepriesen, leider sind sie weich und pampig und betreiben im Mund eine erstaunliche Form der Teigvermehrung.

Der "Grüne Thai-Curry mit knuspriger Ente" ist ein Gemüsepotpourri in reichlich blasser Currysauce, auf der eine knusprig frittierte Entenbrust liegt - das kann man durchaus essen, mit Thai-Küche hat es nichts am Hut.

Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack, dass an einem der wenigen lebendigen Plätze kein spannenderes Projekt ans Licht der Stadt kam. Offenbar muss es noch dauern, bis Wien ein bisschen mehr Berlin werden darf.
(Severin Corti/Der Standard/rondo/10/02/2006)

Fotos:
Gerhard Wasserbauer

Asia-House
Leopoldsg. 51
1020 Wien
Tel.: 01 / 214 77 52
Tägl. 11.30-15 und
17.30-23 Uhr
VS € 1,90-5,50
HS € 5,30-15,50
  • Das beste Eck am Karmelitermarkt wird nun von einem schmucklosen Asia-Restaurant besetzt.
    foto: gerhard wasserbauer

    Das beste Eck am Karmelitermarkt wird nun von einem schmucklosen Asia-Restaurant besetzt.

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    foto: gerhard wasserbauer
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