Abgeordner bereits zum zweiten Mal wegen "Sklavenhaltung" verurteilt

7. Juni 2006, 11:38
1 Posting

Oliveira muss 53 ausgebeuteten Arbeitern Entschädigung bezahlen

Rio de Janeiro - Wegen "Sklavenhaltung" ist in Brasilien ein Parlamentsabgeordneter zur Zahlung einer Entschädigung verurteilt worden. Wie die brasilianischen Medien am Mittwoch berichteten, muss der Abgeordnete der konservativen Liberalen Partei (PL) Inocencio Oliveira nach dem Urteil vom Dienstagabend in Sao Luis im nördlichen Teilstaat Maranhao jedem der 53 ausgebeuteten Arbeiter eine Entschädigung von 130 Real (50 Euro) pro Tag zahlen. Bereits im November 2003 war Oliveira zu einer Geldstrafe von 530 000 Real verurteilt worden. Die 53 Männer waren 2002 auf dem Landgut Caraibas in Maranhao von der Bundespolizei befreit worden.

Oliveira kündigt Berufung an

"Dieses Urteil ist ein weiterer Beweis dafür, dass die brasilianische Justiz alles zu tun versucht, um diese Schande der Sklavenarbeit auszumerzen", erklärte die Staatsanwältin Sandra Lia. Die Anwälte von Oliveira kündigten unterdessen Berufung an.

Senatsmitglied Joao Ribeiro von der mächtigen konservativen Partei der Liberalen Front (PFL) war Anfang 2005 zur Zahlung von 760 000 Real Geldstrafe verurteilt worden. Das ist die bislang höchste Geldstrafe wegen Ausbeutung von Arbeitern in Brasilien.

Vielschichtiges Abhängigkeitsverhältnis

Obwohl Justiz und Medien von "Sklavenhaltung" sprechen, unterscheidet sich die moderne Form der Zwangsarbeit von der 1888 in Brasilien abgeschafften Sklaverei. Gutsbesitzer verkaufen den Arbeitern das Essen zu stark überhöhten Preisen und treiben diese so in immer höhere Verschuldung und - oft auch unter Androhung von Gewalt - in ein Abhängigkeitsverhältnis. Nach amtlichen Angaben ist Sklavenhaltung in Brasilien unter der Rechtfertigung solcher "Lebensmittelschulden" vor allem im nördlichen Teilstaat Para weit verbreitet. (APA)

Share if you care.