Europäer fürchten sich mehr vor Gen-Technik als vor Terror

22. März 2006, 11:08
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Dass Nahrungsmitteln genveränderte Organismen enthalten könnten, zählt dabei zu einer der Hauptsorgen der Europäer

Brüssel - Die Europäer haben mehr Angst vor giftigen Rückständen in ihrem Essen als davor, Opfer von Kriminalität oder Terrorismus zu werden. Das geht aus einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage hervor, die die EU-Kommission am Mittwoch veröffentlicht hat. Dass Nahrungsmitteln genveränderte Organismen enthalten könnten, zählt dabei zu einer der Hauptsorgen der Europäer.

Das größte Schreckgespenst, wenn es ums Essen geht, ist die Gentechnik aber nur für die Österreicher. Alle anderen EU-Bürger fürchten sich mehr vor Pestiziden, Hormonen, Bakterien oder Viren wie der Vogelgrippe. Was das Vertrauen anbelangt, dass die EU die Bedenken der Bürger ernst nimmt, sind die Österreicher Schlusslicht.

Befragt wurden für die Eurobarometer-Studie 25.000 EU-Bürger, 1.000 davon in Österreich. Je 42 Prozent der Europäer halten es nach der Umfrage für wahrscheinlich, dass sich Essen negativ auf ihre Gesundheit auswirken könnte oder ihnen Konsumgüter schaden könnten. Dagegen befürchten nur 31 Prozent Opfer eines Verbrechens zu werden und nur jeder Fünfte ist der Meinung, dass er von einem Terroranschlag getroffen werden könnte. Die kritische Haltung gegenüber Lebensmitteln ist bei Frauen tendenziell höher und nimmt mit dem Alter zu.

Angst vor Gentechnik

Befragt nach den einzelnen Gefahrenquellen, ist Gentechnik neben Österreich vor allem in südlichen europäischen Staaten ein Thema. Während 69 Prozent der Österreicher angeben, dass ihnen genetisch veränderte Organismen (GVO) in Essen und Trinken Sorge bereiten würden, sind es in Griechenland sogar 81 Prozent, in Italien 77 Prozent und auch in Polen 72 Prozent. In Griechenland und Italien ist die Angst vor Pestiziden aber noch größer, in Polen sind die Hygienebedingungen in Produktion, Transport und Verkauf die Hauptsorge der Bevölkerung. Die Österreicher reihen diese Bedenken dagegen hintan.

Dass die EU-Behörden die Bevölkerung in ihren Sorgen vor gesundheitsgefährdeten Lebensmittel ernst nimmt, glauben in Österreich nur 42 Prozent. Die Österreicher erweisen sich damit auch in dieser Eurobarometer-Umfrage als die größten EU-Skeptiker. Überhaupt nur jeder Dritte in Österreich glaubt, dass die EU-Behörden den Gesundheitsschutz vor die Gewinne der Produzenten stellen.

Skepsis gegenüber guten Ratschlägen

Skeptisch erweisen sich die Österreicher auch, was die Annahme guter Ratschläge aus den Medien betrifft. 27 Prozent, so wenige wie in keinem anderen EU-Land, geben an, dass sie ihr Verhalten auf Grund eines Presseberichts geändert oder zumindest eine Zeit lang das erwähnte Produkt vermieden haben.

Trotz aller Bedenken steht laut Befragung bei der Auswahl der Speisen noch immer der Gaumenfreude im Vordergrund. Während ein Drittel der Europäer Essen zu allererst mit Geschmack assoziierte, fiel Gesundheit nur 19 Prozent der Befragten spontan ein, wenn es um Essen geht. Und auch bei der Entscheidung, was in den Einkaufwagen gelangt, steht nach der Qualität (42 Prozent) gleich der Preis (40 Prozent) im Vordergrund und der Gesundheitsaspekt kommt mit 14 Prozent erst an fünfter Stelle. (APA)

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    Zwei Polizisten reiten im Juli Streife mit ihren Pferden durch ein Maisfeld mit gentechnisch veränderten Pflanzen nahe dem brandenburgischen Hohenstein bei Strausberg.

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