"Wir kriegen gerade noch die Leute, die wir brauchen"

2. August 2006, 14:58
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Herbert Mayer, Bundesinnungsmeister der Rauchfangkehrer, im derStandard.at- Interview über neue Aufgaben, Nachwuchs- probleme und die Sache mit dem Trinkgeld

derStandard.at: Herr Mayer, in Ihrem Gewerbe gibt es nicht nur gesetzlich fixierte Tarife, sondern man kann seit Februar 2001 auch seinen Rauchfangkehrer - innerhalb des Verwaltungsbezirks - wechseln. Kommt das oft vor?

Herbert Mayer: Grundsätzlich ist die Wechselmöglichkeit seit 1991 gegeben; damals wurde die Gesetzeslage so geändert, dass der Konsument eine Wechselmöglichkeit zumindest unter zwei Rauchfangkehrerbetrieben haben muss. Die Auswirkungen in den letzten fünfzehn Jahren waren regionsweise unterschiedlich, wobei man sagen muss, die Auswirkungen sind nicht sehr gravierend: Wenn man ein durchschnittliches Kehrgebiet mit etwa 3000 Objekten hernimmt, so gehe ich davon aus, dass es hier in den letzten fünfzehn Jahren zehn Bewilligungen (zum Wechsel, Anm.) gegeben hat. Die Gebietsgrößen regelt aber nicht das Bundesgesetz, sondern die werden vom Landeshauptmann festgelegt. Und da ist es so, dass einige Länder gesagt haben, die politischen Bezirke sollen mit den Kehrgebieten ident sein. In Oberösterreich, Niederösterreich und Wien stehen zum Beispiel zwischen fünf und 20 Betriebe in einem Kehrgebiet zur Auswahl.

derStandard.at: Auf der Homepage der Landesinnung NÖ sind "Qualitätsbetriebe" besonders gekennzeichnet. Was ist da der Unterschied?

Mayer: Grundsätzlich gibt es einen Verhaltenskodex für Rauchfangkehrer – die so genannten "Standesregeln", die im Jahr 2000 verabschiedet wurden. Für besonders qualifizierte Betriebe, die in der Kundenbetreuung hervorstechen oder in der Betriebsausstattung, kann man weitere Kriterien festlegen, und die können dann einen "Rauchfangkehrer-Qualitätsbetrieb" gründen – das ist allerdings dann Sache der Landesinnungen. Gegriffen hat das bis jetzt vor allem in Niederösterreich, dort ist man diesbezüglich am weitesten. In den anderen Bundesländern waren die Bemühungen der jeweiligen Landesinnungen in diese Richtung eigentlich noch nicht so groß. Aber die Standesregeln geben an und für sich schon sehr viel her.

derStandard.at: Die Standesregeln sind also quasi die Mindestanforderungen?

Mayer: Die Standesregeln sind die Mindestanforderungen. Was uns noch nicht gelungen ist, ist die Absegnung dieser Standesregeln durch den Nationalrat.

derStandard.at: Die Arbeiterkammer Niederösterreich bemängelt in ihrer aktuellen "Rauchfangkehrer-Fibel", dass die Tarife mancher Betriebe bis zu 100 Prozent über den gesetzlichen liegen. Gibt's da also "schwarze Schafe" unter den Rauchfangkehrer-Betrieben?

Mayer: In Niederösterreich ist es so, dass die bestehenden Maximaltarife in der Regel eingehalten werden. Wenn es Beschwerdefälle gibt, so bin ich sicher, dass sich die im Promillebereich abspielen. Die Zusammenarbeit mit Konsumentenschutzvereinigungen ist von den Rauchfangkehrern in letzter Zeit sehr forciert worden, deshalb bin ich überzeugt davon, dass das Einzelfälle sind.

derStandard.at: In den "Standesregeln" steht außerdem: "Die Abwerbung von Arbeitskräften ist untersagt." Gibt's Nachwuchsprobleme?

Mayer: Die gibt’s überall. IT-Firmen kriegen keine Fachleute, wir kriegen auch keine Fachleute. Auf der anderen Seite liest man in den Medien, dass die Jugendlichen nicht unterzubringen sind - also ich weiß nicht, was da passiert. Grundsätzlich ist es so, dass wir gerade noch die Leute kriegen, die wir brauchen – aber nicht leicht. Wenn wir noch mit zusätzlichen Aufgaben betraut werden, würden wir uns hart tun. Die beste Vorgangsweise für den Rauchfangkehrer ist, in die Schulen zu gehen und dort über den Beruf zu informieren.

derStandard.at: Die Tätigkeiten des Rauchfangkehrers werden ja eigentlich immer mehr…

Mayer: Die Tätigkeiten werden ausgeweitet und "edler". Den "Rußputzer" von früher wird’s zwar schon nach wie vor geben, aber die Technologie der Anlagen und die Überwachung erfordert immer mehr technisches Verständnis. Also es wird ein immer intelligenterer Beruf. Und darum legen wir auch hohe Voraussetzungen an die Lehrlinge, weil ein Betrieb braucht in Zukunft einen "Rußputzer" und drei technisch Hochstehende, und das ist nicht mehr so leicht, die zu finden.

derStandard.at: Auch die Aufgaben im Bereich Umweltschutz werden ja immer mehr - Stichwort: "klima:aktiv - Der Rauchfangkehrer als Klimabotschafter"…

Mayer: Diese Aktion habe ich als Bundesinnungsmeister initiiert, in Zusammenarbeit mit dem Umweltminister. Dem hat unser Angebot so gut gefallen, weil wir gesagt haben: Wir sind vor Ort und könnten einmal den Bedarf an Energieberatung erheben. Die Steiermark ist bereits das fünfte Bundesland, wo der Startschuss für diese Aktion erfolgt ist. Begonnen wurde in Salzburg, und die restlichen vier Bundesländer werden auch heuer noch damit starten.

derStandard.at: In den Bundesländern gibt es keine einheitlichen Vorschriften für Rauchfangkehrer. Gibt's da bald eine Einigung?

Mayer: Die Harmonisierungen greifen Gott sei Dank in allen Belangen endlich, weil Österreich nicht so groß ist, dass man neun Regelungen braucht. Man muss da aber unterscheiden zwischen den Harmonisierungsbemühungen im Baurecht und bei den Heizungsüberprüfungen. Und da ist jeweils ein Bundesland gegen die einheitlichen Bestimmungen.

Wir von der Rauchfangkehrerinnung haben unsere Vorstellungen, aber seitens der Landesregierungen sind die Signale noch nicht in die richtige Richtung gegangen.

derStandard.at: Welche Bundesländer sind denn dagegen?

Mayer: Ich hab immer gehört, dass Salzburg dagegen ist, inzwischen soll auch ein zweites Bundesland dagegen sein. Wenn’s konkret wird, werden es dann wahrscheinlich eh wieder mehr sein.

derStandard.at: Noch eine Frage: Weil wir kürzlich in der Redaktion darüber diskutiert haben - erwartet ein Rauchfangkehrer eigentlich Trinkgeld?

Mayer: Beim normalen Kehrvorgang nicht, beim Neujahrswünschen schon, weil das Tradition ist – wobei man dazu sagen muss, dass die jungen Leute das zuwenig wissen, und das wohl deshalb auch einmal auslaufen wird. Die jungen Leute haben das von den Eltern nicht "vererbt" bekommen, dass beim Neujahrswünschen ein Trinkgeld üblich ist. Wo das noch bekannt ist, ist es üblich und normalerweise auch ausreichend.

Zur Person Herbert Mayer, geb. 1949, ist in Pregarten (OÖ) als Rauchfang- kehrermeister tätig. Seit dem Jahr 2000 ist er Bundesinnungs- meister der österreichischen Rauchfangkehrer. Die Fragen stellte Martin Putschögl. Link Standesregeln für das Handwerk der Rauchfangkehrer Mehr zum Thema "Rauchfangkehrer- Fibel" der AKNÖ

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    foto: wkö
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