Phishing-Attacken: Internet Provider plädieren für nicht schuldig

16. März 2006, 13:17
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ISPA: "Die Post ist auch nicht verantwortlich für Drohbriefe"

Angesichts der jüngsten Phishing-Attacken, die vergangene Woche die Kunden der österreichischen Banken Raiffeisen und BA-CA heimgesucht haben, sind Internet Service Provider wieder vermehrt in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt. Um heimischen Providern eine klare Empfehlung für das Vorgehen in derartigen Fällen liefern zu können, hat die Interessensvertretung der österreichischen Internetanbieter (ISPA) am Dienstag angekündigt Richtlinien zum Thema Phishing zu erarbeiten. Gleichzeitig warnte die ISPA davor, Cyberkriminalität und deren Auswirkungen in verstärktem Maße den Internet Providern anzulasten.

"Die Post wird auch nicht für Drohbriefe verantwortlich gemacht"

"Die Post wird auch nicht für Drohbriefe verantwortlich gemacht", meint Andrea Cuny-Pierron, Generalsekretärin bei der ISPA, im Gespräch mit pressetext. Entgegen dieser Logik würden Provider, auch wenn sie keinen Content produzierten und folglich nur den Zugang zum Netz zur Verfügung stellten, bei auftretenden Phishing-, Spam- oder Virenattacken trotzdem gerne zur Verantwortung gezogen, so Cuny-Pierron. Mit den für März geplanten Richtlinien will die ISPA in Zusammenarbeit mit heimischen Internet-Sicherheitsexperten und Vertretern der Finanzinstitute Klarheit schaffen, welche rechtlichen Rahmenbedingungen für Internetbetreiber zu beachten sind und welche Anforderungen im Zweifelsfall als angemessen erscheinen. Gerade kleinere Provider, die über keine eigene Rechtsabteilung verfügten, seien mit solchen Fragen oftmals überfordert, so Cuny-Pierron weiter.

Kommunikationsnetz

Im organisierten Kampf gegen die Internetkriminalität setzen die österreichischen Betreiber auf ein elektronisches Kommunikationsnetz, das im Jahr 2003 unter dem Namen CIRCA als Public Private Partnership mit dem Bundeskanzleramt ins Leben gerufen wurde. Ziel des aus Sicherheitsexperten des öffentlichen wie privaten Sektors bestehenden Netzes ist es, als landesweites Frühwarnsystem gegen Würmer-, Viren- und so genannte Denial-of-Service-Attacken zu fungieren. "Damit haben wir die Möglichkeit, ISP-Infrastruktur und somit Kunden und Endverbraucher besser vor sicherheitskritischen Gefahren abschirmen beziehungsweise im Ernstfall schneller handeln zu können", meint Cuny-Pierron.

Strategienfahrplan

Bei einer in Wien stattfindenden Fachtagung der europäischen ENISA-Agentur soll nun auch auf europäischer Ebene ein Strategienfahrplan für den Kampf gegen die Internetkriminalität entwickelt werden. Die von der europäischen Union eingesetzte Agentur mit Sitz in Griechenland wurde 2004 ins Leben gerufen und berät die Kommission sowie die Mitgliedstaaten der EU in Fragen der Internet-Sicherheit.(pte)

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